Als Zygmunt I. Stary am 1. Januar 1507 den polnischen Thron bestieg, war das Land verschuldet und die Staatskasse leer. Er gewährte dem Adel mehr Freizügigkeit und Privilegien, wofür er im Gegenzug das Einverständnis erhielt, immer mehr Steuern und einen höheren Tribut zu verlangen. Davon waren vor allem die unteren Gesellschaftsschichten, d. h. die Bauern und das Bürgertum betroffen. Aber dadurch gelang es ihm, die Staatskasse zu füllen sowie die notwendigen Mittel für den Unterhalt der damals unverzichtbaren Streitkräfte aufzutreiben.
Die Bedrohung durch Walachen, Tataren und Türken und die protestantische Revolte in Danzig im Jahre 1525 hatten einen bedeutenden Einfluss auf die Innen- und Außenpolitik dieses Königs aus der Jagiellonendynastie, der bemüht war, nicht mehr als einen Krieg auf einmal zu führen. Eine seiner größten außenpolitischen Errungenschaften war die Beilegung des Konflikts mit den Kreuzrittern, der 1226 begann und einige Jahrhunderte dauerte. Die Ordensritter, deren Macht 1410 nach der Schlacht bei Grunwald (Tannenberg) von Władysław Jagiełło gebrochen worden war, hatten sich in Preußen niedergelassen und Polen weiterhin heimgesucht. Erst Zygmunt I. Stary löste das Problem: Aus einem der polnisch-preußischen Kriege ging Polen als Sieger hervor und der Ordensstaat wurde säkularisiert. Ferner erfolgte vom Hochmeister des Ordens, Fürst Albrecht von Brandenburg-Ansbach, 1525 auf dem Krakauer Ring die Huldigung und Belehnung vor Zygmunt I. Damit stellte der Deutsche Orden seine Arbeit ein und ein 300 Jahre währender Konflikt wurde schließlich beendet.
König Zygmunt war nicht nur ein sehr gewandter Politiker, sondern auch ein großer Kunstmäzen. Ihm und seiner Frau, die dem italienischen Geschlecht der Sforza entstammte, war der Einzug der Renaissance in Polen zu verdanken. Sie ließen das Krakauer Königsschloss umbauen, wo u. a. eine Perle der Renaissancearchitektur in Gestalt der Sigismundkapelle entstand. Das Königspaar brachte Kunstwerke aus ganz Europa nach Polen. Zygmunt I. legte eine der weltweit größten Sammlungen von Gobelins an, die er aus Frankreich mitbrachte. Sein Sohn Zygmunt August setzte sein Werk fort, so dass innerhalb von 20 Jahren 356 wertvolle Gewebe nach Polen kamen. Bis heute hängen 136 Wandteppiche in den königlichen Gemächern auf dem Krakauer Schloss. Zygmunt Stary stiftete für die Schlosskathedrale eine Glocke, die noch heute im höchsten Turm der Kathedrale hängt und den Namen Sigismundglocke trägt. Ihren Klang kann man nur zu wichtigen staatlichen und kirchlichen Feierlichkeiten hören. Sie ist ein Symbol für die Unabhängigkeit des polnischen Volkes.
Zygmunt Stary starb am 1. April 1548 und ging als ein guter und gerechter König in die Geschichte ein. Er erfreute sich großen Ansehens und war bei seinen Untertanen sehr beliebt. Nach seinem Tode regierte in Polen Zygmunt II. August, der jedoch keinen Thronfolger hinterließ. Mit ihm endete die seit 1384 in Polen regierende Jagiellonendynastie, die mit Władysław Jagiełło begonnen hatte.



