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Władysław Sikorski (1881-1943)

Władysław Sikorski wurde 1881 in Tuszów Narodowy bei Mielec als Sohn eines Dorforganisten geboren. Von 1898 an studierte er am Lehrerseminar in Rzeszów, danach ging er an die Fakultät für Bauwesen der Technischen Hochschule Lwów, die 1908 als Diplomingenieur verließ. 1904 bis 1905 leistete er seinen Wehrdienst in der Österreichisch-Ungarischen Armee (Polen war seit 1795 besetzt), wo er zum Leutnant befördert wurde. Als junger, patriotischer Reserveoffizier gab er u. a. Taktik-Lehrstunden für Mitglieder der konspirativen Kampforganisation der Polnischen Sozialistischen Partei, die Józef Piłsudski anführte.

Im Jahre 1910 wurde Sikorski Vorsitzender des auf Piłsudskis Initiative entstandenen offenen Schützenbundes und nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs erster Kommandant der neu gegründeten Polnischen Offiziersschule in Krakau. Als Befehlshaber des 3. Brigaderegiments beteiligte er sich aktiv an Kämpfen von Piłsudskis Legionen. Nachdem die Österreicher Przemyśl zurückerobert hatten, wurde er Stabschef der polnischen Wehrbehörde in der dortigen Festung. Nach Kriegsende und Wiedergeburt des polnischen Staates kämpfte er an der polnischen Ostgrenze gegen die Ukraine und organisierte u. a. Nachschub für das belagerte Lwów. Im August 1920 wurde ihm der Kommandostab der 5. Armee anvertraut, die unter seiner Führung die sowjetischen Truppen beim Fluss Wkra aufhielt. Aufgrund seines besonderen Mutes, den er während des polnisch-bolschewistischen Krieges zeigte - besonders beim Kampf gegen die Reiterarmee von S. M. Budionny bei Zamość - wurde er zum Generalleutnant und am 1. April 1921 zum Generalstabschef befördert.

Dann begann parallel seine politische Karriere: Am 16. Dezember 1922 wurde er - nach der Ermordung des polnischen Präsidenten Gabriel Narutowicz - Premier- und Innenminister. Ihm fiel die undankbare Aufgabe zu, durch soziale Missstände bedingte Unruhen zu schlichten und die Innenpolitik zu ordnen. Schon nach einem halben Jahr ging Sikorskis Regierungszeit aufgrund parteiinterner Kämpfe und wegen des autoritären Führungsstils von Marschall Piłsudski zu Ende. 1924 holte ihn der übernächste Premier Władysław Grabski als Verteidigungsminister in sein Kabinett, wo Sikorski Marine, Luftwaffe und die Rüstungsindustrie ausbaute und Kommandant des Korpsbereichs Lwów VI. wurde. Nachdem Piłsudski 1926 durch seinen „Mai-Staatsstreich" die Regierung abgelöst und die Macht übernommen hatte, wollte sich Sikorski für keine der beiden Parteien entscheiden, was zu seiner Suspendierung führte. Da er keinen anderen Posten zugeteilt bekam, ging er für ein Militärstudium nach Frankreich, war aber weiterhin politisch aktiv. Mit dem ehemaligen polnischen Premierminister Ignacy Paderewski, der ebenfalls ein Gegner von Piłsudskis „Sanacja"-Gruppe war, förderte er die Verständigung zwischen den Zentrumsparteien, gründete die Morges-Front und die „Partei der Arbeiter".

Nach Ausbruch des Krieges wurde General Sikorski Ende September 1939 Kommandant der sich in Frankreich formierenden polnischen Armee. Am 30. September 1939 berief man ihn zum Premierminister der polnischen Exilregierung in Paris. Sie wurde von den meisten europäischen Ländern anerkannt. Mit Ausnahme von Deutschland, das gegen Polen Krieg führte, und der Sowjetunion, die am 17. September in Polen einmarschiert war. Trotzdem nahm Sikorski im Sommer 1941 Gespräche mit den Sowjets auf, da ihm sehr an einer Normalisierung der polnisch-sowjetischen Beziehungen gelegen war. Ein im Juni mit Botschafter Jakub Majski geschlossener Vertrag beinhaltete die Freilassung der Polen, die infolge der Annexion polnischer Gebiete im September 1939 ins Kernland der Sowjetunion (vor allem nach Sibirien) deportiert worden waren. Darüber hinaus wollten sich beide Länder beim Kampf gegen Deutschland zur Seite stehen. Wie im Vertrag vereinbart, wurde in der Sowjetunion eine polnische Armee unter Führung von General Anders gegründet. Sie bestand hauptsächlich aus Polen, die man aus sibirischer Haft entlassen hatte. Im August 1942 verließ die 70 000 Mann starke Armee die Sowjetunion und marschierte im Iran ein.

Im Juni 1943 machte sich Władysław Sikorski in den Nahen Osten auf, um die polnischen Truppen zu inspizieren. Auf dem Rückflug am 4. Juli 1943 ist seine Maschine ein paar Minuten nach ihrem Start über der Meerenge von Gibraltar verunglückt. Sie stürzte aus bis heute ungeklärter Ursache ins Meer. Mit Sikorski kamen auch seine Tochter Sofia, der Stabschef General Klimecki sowie ein englischer Fernmeldeoffizier ums Leben. Nur der tschechische Pilot überlebte.

General Sikorski wurde auf dem polnischen Pilotenfriedhof bei Newark in Großbritannien beigesetzt. Am 17. September 1993 wurde seine Asche nach Polen überführt und in Krakau in der Kathedrale am Schloss auf dem Wawel neben den sterblichen Überresten vieler großer Persönlichkeiten Polens beigesetzt.


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