Das 12. und 13. Jh. waren für Polen besonders schwierig. Das von der Piastendynastie beherrschte, immer mächtiger werdende Reich war 1138 plötzlich mit einem Problem konfrontiert, das es die folgenden 200 Jahre in seiner Entwicklung hemmen sollte. Zu dieser Zeit wurde Polen aufgrund des Testaments von König Bolesław Krzywousty (Schiefmund) für seine vier Söhne in fünf Teilgebiete abgesteckt: Schlesien; Masowien und Kujawien; Großpolen sowie das östliche Kleinpolen mit Sandomierz. Den kirchlichen Mittelpunkt Gnesen und die kleinen Länder Łęczyca und Sieradz hatte Bolesław seiner Frau zugesprochen. Das westliche Kleinpolen und Pommern waren als Krongut dem jeweiligen Senior zugedacht. Im Falle seines Todes sollte diese Provinz an den Zweitgeborenen fallen. Damit wollte Bolesław einem Erbfolgekrieg und dem Zerfall des geteilten Landes vorbeugen. Diese Lösung stellte jedoch niemanden zufrieden. Es kam fast 200 Jahre lang zu ständigen Kämpfen und Unruhen. Erst mit König Władysław I. Łokietek, der in die Geschichte als Erneuerer des polnischen Staates einging, kehrte wieder Ruhe ein.
Władysław Łokietek wurde ca. 1260 geboren. Er war der Sohn Kazimierz I., des Fürsten von Łęczyce, Sieradz und Kujawien. Nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1267 fiel ihm Kujawien zu, die zwei anderen Gebiete erhielten seine Brüder Leszek Czarny und Kazimierz Łęczycki. Nachdem ihrem Tode ging das gesamte väterliche Erbe an Władysław. Er baute zunächst den polnischen Staat wieder auf, um anschließend Kleinpolen zu besetzen, was ihn in Konflikt mit dem dort regierenden Fürsten Przemysław II. brachte. Nach Przemysławs Tod im Jahre 1290 erklärte sich Łokietek zu seinem Nachfolger und annektierte neben Kleinpolen auch Pommern. Am Ende musste er sich jedoch Wenzel II. geschlagen geben, den die dort lebenden Lehnsherren unterstützten. Władysław konnte sich im Gegenzug die Gefolgschaft des Bauernstandes, der Ritter sowie eines Teils der Geistlichen sichern, die ihn als Herrscher aus der einheimischen Piastendynastie wählten. So marschierte Łokietek 1304 in Małopolska mit Truppen ein, zu denen außer Jan Długosz, einem Chronisten des 15. Jh., mehr Bauern als Ritter gehörten. Er besetzte auch die Pomerellen (Pomorze Gdańskie). Da ihm die Herrscher und die dort ansässigen Siedler aus Brandenburg nicht wohlgesonnen waren, musste er sein Ziel aufgeben, die baltischen Territorien in Gänze zu unterwerfen.
Bereits im Jahre 1311 herrschte Łokietek über Kleinpolen und das geerbte Kujawien. Trotz des Aufruhrs deutscher Patrizier in Krakau und Sandomierz konnte er diese Städte mit Unterstützung der Adligen und des Bürgertums unter seiner Kontrolle halten. Drei Jahre später unterwarf sich auch Großpolen seiner Herrschaft. Es waren damit aber noch nicht alle Probleme vom Tisch, denn nun erhob der böhmische König, Johann von Luxemburg, Anspruch auf die polnische Krone. Im Verbund mit dem deutschen Kreuzritterorden griff er Polen von Norden und Westen her an, die Brandenburger versuchten erneut, Großpolen zu besetzen. Łokietek gelang es aber, seine Gebiete zu halten.
1318 richtete er sein ganzes Streben nach der Krone. Der zunächst abgeneigte Papst gab am Ende doch seinen Segen und am 30. Januar 1320 wurde Władysław I. Łokietek in Krakau zum König von Polen gekrönt. Dieser Akt zeigte die Überwindung der inneren Teilung des polnischen Staatsgebildes sowie die Wiedergewinnung seiner Unabhängigkeit.
Władysław Łokietek starb am 2. März 1333 in Krakau. Er hinterließ seinem Sohn Kazimierz III. Wielki (der Große) nur Kleinpolen, Sandomierz und Großpolen sowie Kujawien, und die Länder Łęczyca und Sieradz. Dagegen verblieben Schlesien, das Lubusker Land, die Pommerellen, Pommern und Masowien außerhalb der polnischen Einflusssphäre. Das war der Grundstein für den Wiederaufbau des polnischen Staates und die Festigung seiner Macht.



