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Ich fühle mich wie in einer magischen Welt. Ich sehe von oben auf die Kapelle der Hl. Kinga [Kunigunde]. Auf die Statuen und Reliefs aus Salz, auf den Altar, die in die Wände gehauenen biblischen Szenen und auf die Kristallleuchter. Alles funkelt in allen Farben des Lichts. Ich möchte diese Märchenwelt berühren, mich überzeugen, ob sie tatsächlich real ist.
- Nicht berühren – dringt die Stimme unseres Fremdenführers zu mir durch. - Man kann höchstens die Wände ablecken. Ganz schön salzig, nicht wahr?
Das Salzbergwerk Wieliczka ist die älteste noch tätige Förderstätte von Steinsalz auf der Welt. Im Jahre 1978 wurde es in die Erste Liste des Weltkultur- und –naturerbes der UNESCO als einmaliges Denkmal des Erbes von Natur, Technik sowie als Kultstätte aufgenommen. Im Jahre 1992 kamen 300.000 Touristen hierher, im Jahre 2008 bereits mehr als eine Million.
Die Anfänge des Salzbergwerkes gehen in das Mittelalter (13. Jahrhundert) zurück, als die Stadt stolz den Namen Magnum Sal – Großes Salz trug. Die größten und ältesten Salzlagerstätten Europas füllten die Schatzkammer der polnischen Herrscher. Und die Bergleute hinterließen hier, wie nirgends anders auf der Welt, unter Tage wahre Kunstwerke (Skulpturen aus dem 16. – 17. Jahrhundert).
In das Bergwerk gelangt man über den Danilowicz-Schacht und 378 Stufen. Unabhängig vom Wetter draußen herrscht hier immer eine Temperatur von + 14 °C und frische, reine Luft. Das Labyrinth für die Touristen umfasst drei Sohlen in einer Tiefe zwischen 64 und 135 m unter der Erde, 2 km Stollen und 20 Kammern.
Dies ist die Kopernikus-Kammer mit dem Salzdenkmal des berühmten Astronomen, der das Bergwerk wahrscheinlich während seines Studiums an der Krakauer Akademie besuchte. Die St.-Anton-Kapelle wurde in einen Block grünen Salzes gehauen – mit Figuren der Heiligen und der Kanzel. Die Janowice-Kammer: Nach der Legende übergibt ein Bergmann der Hl. Kinga den ersten Salzklumpen, in dem sich der Verlobungsring befindet.
Den größten Eindruck auf mich macht die verwunschene Weimar-Kammer mit dem Schauspiel aus Licht und Ton. Wie durch Berührung mit dem Zauberstab tritt ein abgrundtiefer See aus dem heller werdenden Nebel hervor. In der Tiefe erscheint der monumentale Schatzmeister. Es ist Chopin-Musik zu hören, die Klänge von Spitzhacken, von Bergwerkswagen und der täglichen Arbeit der Bergleute...
Das Bergwerk ist jedoch nicht nur eine Route für Besucher. Unter der Erde pulsiert das Leben.
Im Veranstaltungs- und Sportsaal für 400–800 Personen (Warschau-Kammer) finden Kultur- und Sportveranstaltungen sowie Konferenzen statt. Im Restaurant (Witold-Budryk-Kammer) kann man ein „polnischen Mittag“ essen, in den Kapellen beten, am unterirdischen Postamt eine Ansichtskarte versenden.
In der Tiefe von 135 Meter befindet sich in der Kammer „Wesselsee“ das Heil- und Rehabilitationszentrum.
- Hier atmet man einfacher und tiefer – sagt eine asthmakranke Kurpatientin.
Einmal im Monat verwandelt sich die Jan-Holuszka-Kammer in einen romantischen Kultursalon. Auf den Tischen erscheinen Kerzen, Gedichtbände und Rotwein. Jemand erzählt über seine künstlerischen Auseinandersetzungen, jemand spielt auf einem Instrument.
Mit dem Bergwerksfahrstuhl fahre ich nach oben. Ich nehme eine Salzlampe mit, die ich im unterirdischen Andenkenladen erworben habe. Sie sichert mir ein bisschen Magie, die ich im täglichen Leben benötige.
www.kopalnia-wieliczka.pl (/English, Deutsch, Französisch, Italienisch, Russisch/)



