VORKARPATENLAND /PODKARPACIE/
Die Region Podkarpacie liegt im Vorfeld der West- und Ostkarpaten, im Südosten Polens. Aus landschaftlicher und touristischer Sicht ist es eine der interessantesten Regionen des Landes.
Die meisten Touristen zieht es in die Berge hier: die größte Fläche nehmen die Ostbeskiden (Bieszczady und Beskid Niski) ein. Am häufigsten werden die Bieszczady besucht, hier gibt es auch die meisten Wanderrouten.
Diese Gebiete sind im 15. und 16. Jh. kolonisiert worden. Damals siedelten sich hier die Bojken und Lemken an. Das waren die Nachkommen der wallachischen Schafhüter, die vom Balkan entlang der Karpaten wanderten und diesen Teil der Beskiden zu ihrer Heimat machten. Sie haben im Laufe der Zeit Elemente der ostslawischen Sprache und Kultur übernommen, dadurch sind sie in ethnischer Hinsicht eine sehr interessante Volksgruppe. Heute werden sie als ein spezifischer Teil des ukrainischen Volkes betrachtet. Im Vorkarpatenland sind nur einige Erinnerungsstücke an sie erhalten geblieben. Gleich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben die stalinistischen Machthaber, bei der Bekämpfung der auf diesen Gebieten sehr aktiven ukrainischen Partisanengruppen, die Bevölkerung deportiert. Sie wurde wegen ihrer Glaubenszugehörigkeit als Ukrainer eingestuft (Aktion Weichsel) und nach Nord- und Westpolen umgesiedelt.
Davon waren 140 000 Menschen betroffen, also fast alle Ureinwohner des Beskid Niski und des Bieszczady-Gebirges. Nur einem geringen Teil dieser Menschen gelang es, hierher zurückzukommen. Das Bieszczady-Gebirge wurde plötzlich aus einem überbevölkerten zu einem dünn besiedelten Landesteil.
Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus ist die "Aktion Weichsel" in Polen offiziell verurteilt worden. Ein offener Brief dazu wurde von fast 500 polnischen Intellektuellen, Kunst- und Kulturvertretern unterzeichnet. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass eine wertvolle Kultur zerstört wurde und dass dieser Landesteil am bevölkerungsärmsten ist. Dies bezieht sich auch auf die Bewirtschaftung. Die bedeutendste Rolle spielt hier jetzt der Tourismus. Dafür gibt es viele Hotels, Campingplätze, Restaurants sowie Bauernhöfe für Urlauber.
Natur
Beskid Niski ist eine ausgedehnte relativ flache Gebirgsgruppe der polnischen Karpaten. Die höchste Erhebung ist der Berg Lackowa mit 997 m.
Dieses Gebiet ist sehr touristenfreundlich und leicht zu bewandern. Es gibt viele Wanderrouten und unzählige Pfade und Feldwege für individuelle Touren. Man findet hier sanfte Berghänge, den Fluss Wisloka, der sich durch ein malerisches Land schlängelt sowie Tannen- und Buchenwälder. Besonders artenreich ist der Magurski-Nationalpark.
Das Bieszczady-Gebirge ist das einzige Gebiet Polens, wo es der Natur auf so einer großen Fläche gelungen ist, ihre natürliche Gestalt und ihr natürliches Gleichgewicht zurückzugewinnen. Fast das gesamte Wysokie /Hohe/ Bieszczady-Gebirge wird von zahlreichen Braunbären und Wisenten, Wölfen, Hirschen, Falken und Adlern, also von den Bewohnern des ehemaligen Karpaten-Urwalds bewohnt. Man kann auch einem Elch, einem Luchs oder einer Wildkatze begegnen. Der Tourist steht hier direkt der Naturgewalt gegenüber.
Eine Attraktion des Bieszczady-Gebirges sind die weiten Almen – Hochgebirgswiesen mit Alpenflora. Ein Teil der Pflanzen steht unter Naturschutz des Nationalparks „Bieszczadzki Park Narodowy“. Dieser Park wurde 1998 mit dem Europadiplom ausgezeichnet, das vom Europarat als Anerkennung für den Schutz besonders wertvoller Naturbestände vergeben wird.
Der Nationalpark und das gesamte Bieszczady-Gebirge haben ein dichtes Wanderroutennetz und verfügen über weite Flächen, die für das Reiten besonders geeignet sind. Auf den Feldwegen werden die Pferde nicht vom Autoverkehr gestört, getränkt werden können sie in den sauberen Seen und Bächen. Es gibt hier zahlreiche private Pferdezüchtereien, in denen u.a. die Huzulenpferde, sehr zahme, menschenfreundliche kleine Pferde, mit hohem Durchhaltevermögen gehalten werden, die sich bei den Bergwanderungen sehr gut bewähren. Im Nationalpark werden auch Geländewagen-Ausflüge organisiert, bei denen man wilde Tiere und Vögel beobachten kann.
Städte und Ortschaften
Ein wichtiges Kultur-, Industrie- und Verkehrszentrum der Region ist die Stadt Sanok. In dem malerisch am Fluss San gelegenen Sanocker Schloss kann man die größte polnische Ikonensammlung besichtigen. Am anderen Ufer des San, auf Biala Gora /Weißer Berg/ liegt das größte polnische Freilichtmuseum (Museum für Folkloristisches Bauwesen), wo sich die wertvollsten historischen Holzbauten von Bieszczady befinden. In Sanok beginnt die sog. Ikonen-Route. Sie macht eine 70 km lange Schleife über Dörfer, in denen wertvolle, hölzerne orthodoxe Kirchen erhalten geblieben sind (die älteste stammt von 1510). Die Route kann zu Fuß, zu Pferd, auf dem Fahrrad oder auf dem Wasserweg, durch das San-Tal gemacht werden. Die umliegenden Berge und Wälder sind voller gut erhaltener Burgen, Hünengräber und Friedhöfe – Hinterlassenschaften der hier einst lebenden Volksstämme.
Das zweite wichtige Zentrum dieser Region ist Przemysl. Der am Ufer des Flusses San, im polnisch-ukrainischen Grenzgebiet gelegene Ort, ist eine historisch wertvolle, interessante Stadt, in der die Kulturen des Westens und des Ostens aufeinanderstoßen. Man kann hier ebenfalls ein Befestigungswerk aus dem 1. Weltkrieg (Przemysl war damals eine mächtige Festung) und das herrliche Renaissance-Schloss in Krasiczyn, das bei jedem Touristen Bewunderung erweckt, besichtigen.
Die Region hat auch kleinere Ortschaften anzubieten, in denen es interessante historische Objekte gibt. Schöne alte griechisch-katholische und orthodoxe Kirchen befinden sich in Komancza. In Lesko, einem malerischen Städtchen, das eine sehr gute Ausflugsbasis für Bieszczady-Wanderungen darstellt, erhebt sich hingegen eine manieristische Festungssynagoge. Sie wird zu den schönsten jüdischen Sehenswürdigkeiten in Polen gezählt. Gleich daneben befindet sich auf einem Hügel ein riesengroßer, uralter kirkut – ein jüdischer Friedhof, der zu den wertvollsten in Polen gehört.
Im Herzen der Region befindet sich der Jezioro Solinskie /Solina-See/. Das riesige Becken ist zwar ein künstlicher Stausee, trotzdem ist er wunderschön und aus touristischer Sicht zweifelsohne sehr interessant. Die an seinem Ufer liegenden Erholungszentren, z.B. Solina oder Polanczyk, bieten sehr gute Möglichkeiten für Wassersport zu betreiben. An den zahlreichen Anlegestellen entlang der 160 km langen Küste kann man Jachten, Boote, Kanus, Kajaks und Wassertreter ausleihen. Polańczyk hat zusätzlich den Status eines Kurortes. Es liegt auf einer Halbinsel, die in den See hineinragt, hat ein sehr mildes Mikroklima und Mineralwasserquellen. Hier werden u.a. Erkrankungen der Atemwege behandelt.



