Auf das Ende des politischen Terrors mussten die Polen bis 1956 warten. Dann wurde in der UdSSR der Stalinismus offiziell verurteilt. Nach dem Tod des polnischen Kommunisten und Vorsitzenden der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PZPR), Boleslaw Bierut, am 12. März 1956, welcher dem Stalinismus in Polen zum Sieg verholfen hatte, und den Arbeiterunruhen in Posen (28. Juni 1956) kam es zum Regierungswechsel in Polen. Am Ende eines heftigen inneren Konfliktes in der PZPR und schwierigen Verhandlungen mit der sowjetischen Führung wurde im Oktober mit starkem gesellschaftlichem Zuspruch Wladyslaw Gomulka zum Partei- und Staatschef gewählt. Dieser nutzte die neue Lage, um die Abhängigkeit von der UdSSR zu mindern. Man entließ per Amnestie politische Gefangene, darunter den polnischen Primas und verabschiedete sich von der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft. Dem Privatsektor wurden wieder Entwicklungschancen eingeräumt, allerdings in sehr geringem Umfang. Das Land, das nach den Zerstörungen durch den Krieg im Wiederaufbau begriffen war, trat in die Phase der "kleinen Stabilisierung".
Gomulka hat sich jedoch schnell vom liberalen Kurs des "polnischen Oktobers" verabschiedet. Die PZPR übte weiter die ungeteilte Macht im Staat aus. Immer häufiger kam es zu offener Gewalt gegen das Volk. Der Konflikt zwischen Staat und Kirche zu Polens 1000-Jahr-Feier, Studentenunruhen im März 1968 und die von der kommunistischen Partei inszenierte antisemitische Kampagne 1968 zeigten, dass das Volk nicht hinter seiner Regierung stand.



