Mieszko I. war, obwohl offiziell nie zum König gekrönt, der erste geschichtlich belegte Herrscher Polens. Er stammte aus dem fürstlichen Stamm der Piasten, der im 10. Jh. in Gniezno (Gnesen), der damaligen Hauptstadt Polens, regierte. Nachdem den jungen Fürst im Alter von ca. 30 Jahren zum König gekrönt hatte, versuchte er, einen starken Staat mit effizienten Regierung nach dem Beispiel Tschechiens, Mährens und Deutschlands zu gründen. Es gelang ihm, sein Territorium gut zu organisieren und eine starke Armee aufzubauen.
Mieszkos 200 000 km2 großes Land umfasste die Gebiete der Polanen an der unteren Warta (Warthe), der Goplanen am Goplosee, der Masowier am Bzura und an der Weichsel, der Lendizi bei Sandomierz und Przemyśl sowie der Pomeranen. Das in Europas Mitte gelegene Land mit Zugang zur Ostsee war für seine Nachbarstaaten sehr attraktiv. Deshalb schloss Mieszko I. eine Allianz mit der damaligen Großmacht Böhmen. Die Heirat mit Dubravka, der Tochter Herzog Boleslavs I. von Böhmen im Jahre 966/67 sollte Polen vor Invasionen südlicher Nachbarn schützen und Böhmen zu einem Verbündeten machen, falls es zum Krieg mit dem deutschen Kaiser Otto. I. käme.
Mieszko nahm zur gleichen Zeit das Christentum nach lateinischem Ritus an. Danach bekam er wahrscheinlich den Namen Dagobert. Das geht aus dem Dokument Dagome Iudex hervor, das an den Papst gerichtet war und in dem Dagome möglicherweise Dagobert bedeutet. Zusammen mit seinem Herrscher ließ sich auch ganz Polen taufen. 968 unterstellte der Fürst die polnische Kirche unmittelbar dem Papst, und das unabhängig von den deutschen Bischöfen, die in den östlichen Gebieten des Kaiserreiches die Christianisierung vorantrieben.
Ungeachtet dessen versuchten die deutschen Herrscher weiterhin, sich die polnischen Gebiete zu unterwerfen. Die Polen hatten jedoch Glück. Am 24. Juni 972 besiegte Mieszko bei Cedynia den Markgrafen Hodon und brachte es 979 zum Friedensschluss mit Otto II. Der Friedensvertrag wurde nach dem Tode von Dubravka durch die Heirat mit Oda, der Tochter eines deutschen Magnaten, besiegelt. 986 stand Mieszko dem minderjährigen Regenten Otto III. bei. Bei der ständigen Suche nach weiteren Verbündeten, verheiratete er eine seiner Töchter mit dem schwedischen König Erich.
Ähnlich klug bewegte sich Mieszko in der Innenpolitik. Er gründete ein stabiles Staatswesen sowie eine starke Armee. (Nach den Reisenotizen des jüdischen Kaufmanns Ibrahim ibn Jakub zählte die reguläre Armee 3000 Krieger.) Ferner war Mieszko Bauherr sämtlicher Befestigungsanlagen und Burgen sowie Stifter der Kirchen von Gnesen und Posen. Er erwarb sich große Verdienste für das ganze Land und hinterließ bei seinem Tod am 25. Mai 992 ein gut organisiertes und mächtiges Land.



