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Kleinpolen / Małopolska


Małopolska (Kleinpolen)


Małopolska (Kleinpolen) ist ein historisch und ethnographisch interessanter Landstrich am oberen und mittleren Flusslauf der Weichsel. Er umfasst den größeren Teil der Polnischen Karpaten, das Tal von Sandomierz (Kotlina Sandomierska), das Auschwitzer Tal (Kotlina Oświęcimska) und das Kleinpolnische Hochland (Wyżyna Małopolska), dessen Bestandteil die unikale Naturregion des Krakau-Tschenstochauer Jura ist.
Die Region Małopolska hat viele historischen Sehenswürdigkeiten, eine herrliche Natur, und attraktive Erholungszentren. Zu den bedeutsamsten Städten des Landes zählt Krakau, eine Stadt mit großem kulturellen Angebot, in der 25% der Musealbestände Polens lagern, und die zur europäischen Kulturhauptstadt 2000 erkoren wurde. Des Weiteren ist Zakopane, der herrlich Fuße am des höchsten polnischen Gebirges, der Hohen Tatra gelegene Kurort, sehr sehenswert. Hierzu gehört die Region Podhale, die mit der Kultur des hiesigen Bergvolkes, der Goralen, aufs engste verknüpft ist. Etwa 4 Mio. Menschen kommen jährlich nach Tschenstochau (Częstochowa), Polens berühmtesten Wallfahrtsort, um vor dem Bildnis der Mutter Gottes von Tschenstochau - der schwarzen Madonna - im Paulinerkloster auf dem Hellen Berg (Jasna Góra) zu beten. In Wieliczka kann man das weltweit am längsten betriebene Salzbergwerg besichtigen. Auschwitz (Oświęcim) zieht mit seinem von den Nazis errichteten und nach dem Krieg in ein Museum umgestalteten Vernichtungslager alljährlich Millionen von Besuchern an. Lublin ist ein sehr schöner Ort mit einer interessanten Altstadt und einem herrlichen Schloss. Zamość wird oft als "Padua des Nordens" bezeichnet. Es ist eine Perle der Renaissance, die auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO eingetragen wurde.
Es sei noch auf zwei Landschaften hingewiesen: Das östlich der Weichsel (Wisła) und südlich des Bugs gelegene Lubliner Land (Lubelszczyzna) und die südlich davon gelegene Region Roztocze. Die dortige Landschaft ist besonders schön und es gibt hier zwei Nationalparks. In diesen Gebieten findet man oft noch Spuren jüdischer Kultur, die in dieser Region vor dem Zweiten Weltkrieg großräumig vertretern war.
Der Name "Małopolska" wird seit dem 15. Jh. verwendet. Der lateinische Begriff - "Polonia Minor" bedeutet "Jüngeres Polen" im Vergleich zu Wielkopolska (Großpolen), der Wiege des polnischen Staates. Małopolska wurde bereits Mitte des 11. Jh. zum wichtigsten Landesteil Polens, denn in der Landeshauptstadt Krakau residierten auf dem Wawelhügel Könige und Fürsten, hier blühte das kulturelle und wissenschaftliche Leben. 1364 gründete hier König Kazimierz Wielki (Kasimir der Große) die Krakauer Akademie, die heutige Jagiellonen-Universität, eine der ältesten Hochschulen Europas. Hier entstanden die prunkvollsten Schlösser und Kirchen des Landes. Durch Małopolska verliefen wichtige Handelswege zwischen Westeuropa und dem Schwarzen Meer, was bedeutend zur Entwicklung vieler Städte beigetragen hat.
Anfang des 16. Jh. wurde die Landeshauptstadt nach Warschau verlegt. Im 18. Jh. ist Polen geteilt worden und von Europas Landkarte verschwunden. Durch die Teilung ging Małopolska an Österreich. 1809 wurde ein Teil der Region dem Warschauer Fürstentum angegliedert und 1815 dem Königreich Polen. Krakau und Umgebung wurden zur Krakauer Republik (1815-1846) ernannt, die unter gemeinsamer Aufsicht der Besatzungsmächte stand. Nach dem misslungenen Krakauer Aufstand von 1846 wurde die Krakauer Republik zum Bestandteil der österreichischen Provinz Galizien. 1918, nach der Wiedergewinnung der Unabhängigkeit Polens, befand sich der Großteil des historischen Małopolska auf polnischem Territorium. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein bedeutender Teil der Region der Sowjetunion angeschlossen.

Małopolska (Kleinpolen) ist ein historisch und ethnographisch interessanter Landstrich am oberen und mittleren Flusslauf der Weichsel. Er umfasst den größeren Teil der Polnischen Karpaten, das Tal von Sandomierz (Kotlina Sandomierska), das Auschwitzer Tal (Kotlina Oświęcimska) und das Kleinpolnische Hochland (Wyżyna Małopolska), dessen Bestandteil die unikale Naturregion des Krakau-Tschenstochauer Jura ist.
Die Region Małopolska hat viele historischen Sehenswürdigkeiten, eine herrliche Natur, und attraktive Erholungszentren. Zu den bedeutsamsten Städten des Landes zählt Krakau, eine Stadt mit großem kulturellen Angebot, in der 25% der Musealbestände Polens lagern, und die zur europäischen Kulturhauptstadt 2000 erkoren wurde. Des Weiteren ist Zakopane, der herrlich Fuße am des höchsten polnischen Gebirges, der Hohen Tatra gelegene Kurort, sehr sehenswert. Hierzu gehört die Region Podhale, die mit der Kultur des hiesigen Bergvolkes, der Goralen, aufs engste verknüpft ist. Etwa 4 Mio. Menschen kommen jährlich nach Tschenstochau (Częstochowa), Polens berühmtesten Wallfahrtsort, um vor dem Bildnis der Mutter Gottes von Tschenstochau - der schwarzen Madonna - im Paulinerkloster auf dem Hellen Berg (Jasna Góra) zu beten. In Wieliczka kann man das weltweit am längsten betriebene Salzbergwerg besichtigen. Auschwitz (Oświęcim) zieht mit seinem von den Nazis errichteten und nach dem Krieg in ein Museum umgestalteten Vernichtungslager alljährlich Millionen von Besuchern an. Lublin ist ein sehr schöner Ort mit einer interessanten Altstadt und einem herrlichen Schloss. Zamość wird oft als "Padua des Nordens" bezeichnet. Es ist eine Perle der Renaissance, die auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO eingetragen wurde.
Es sei noch auf zwei Landschaften hingewiesen: Das östlich der Weichsel (Wisła) und südlich des Bugs gelegene Lubliner Land (Lubelszczyzna) und die südlich davon gelegene Region Roztocze. Die dortige Landschaft ist besonders schön und es gibt hier zwei Nationalparks. In diesen Gebieten findet man oft noch Spuren jüdischer Kultur, die in dieser Region vor dem Zweiten Weltkrieg großräumig vertretern war.
Der Name "Małopolska" wird seit dem 15. Jh. verwendet. Der lateinische Begriff - "Polonia Minor" bedeutet "Jüngeres Polen" im Vergleich zu Wielkopolska (Großpolen), der Wiege des polnischen Staates. Małopolska wurde bereits Mitte des 11. Jh. zum wichtigsten Landesteil Polens, denn in der Landeshauptstadt Krakau residierten auf dem Wawelhügel Könige und Fürsten, hier blühte das kulturelle und wissenschaftliche Leben. 1364 gründete hier König Kazimierz Wielki (Kasimir der Große) die Krakauer Akademie, die heutige Jagiellonen-Universität, eine der ältesten Hochschulen Europas. Hier entstanden die prunkvollsten Schlösser und Kirchen des Landes. Durch Małopolska verliefen wichtige Handelswege zwischen Westeuropa und dem Schwarzen Meer, was bedeutend zur Entwicklung vieler Städte beigetragen hat.
Anfang des 16. Jh. wurde die Landeshauptstadt nach Warschau verlegt. Im 18. Jh. ist Polen geteilt worden und von Europas Landkarte verschwunden. Durch die Teilung ging Małopolska an Österreich. 1809 wurde ein Teil der Region dem Warschauer Fürstentum angegliedert und 1815 dem Königreich Polen. Krakau und Umgebung wurden zur Krakauer Republik (1815-1846) ernannt, die unter gemeinsamer Aufsicht der Besatzungsmächte stand. Nach dem misslungenen Krakauer Aufstand von 1846 wurde die Krakauer Republik zum Bestandteil der österreichischen Provinz Galizien. 1918, nach der Wiedergewinnung der Unabhängigkeit Polens, befand sich der Großteil des historischen Małopolska auf polnischem Territorium. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein bedeutender Teil der Region der Sowjetunion angeschlossen.


Natur: gewaltige Berge und kleine Felsen
Das Landschaftsbild Małopolskas wird von seinen Gebirgszügen geprägt. Durch den südlichen Teil der Region verlaufen die Karpaten. Sie ziehen sich in einem weiten Bogen von der Gegend um Bratislava in der Slowakei durch Polen und die Ukraine bis nach Rumänien. Der polnische Abschnitt der Karpaten ist etwa 300 km lang und besteht mit der Tatra, den Pieninen und Beskiden aus den Westkarpaten (Karpaty Zachodnie) und den Ostkarpaten, also den Ostbeskiden (Bieszczady) im äußersten südöstlichen Zipfel des Landes.
Die hohen Gipfel der Westkarpaten locken die Touristen mit ihrer wunderschönen, wilden Natur. Die Region verfügt über gute Verkehrsanbindungen, ein breites Übernachtungsangebot und viele gut ausgeschilderte Wanderwege. Trotzdem kann man bei Wanderungen die Zivilisation weit hinter sich lassen. Ein Rucksack mit Verpflegung, gute Schuhe und ein wenig Mut garantieren eine Begegnung mit unberührter Natur.
Die Natur Małopolskas ist jedoch mehr als nur Gebirgslandschaft.


Der Krakau-Tschenstochauer Jura: Höhlen und Fledermäuse
Die Kleinpolnische Hochebene (Wyżyna Małopolska) und insbesondere die dazu gehörende, aus Kalkstein des Jura bestehende Krakau-Tschenstochauer Hochebene (Wyżyna Krakowsko-Czestochowska) weisen besonders sehenswerte Karstformen auf. Es gibt hier zwei Nationalparks - den Ojcowski- und den Świętokrzyski-Nationalpark. Ein großes Gebiet des Krakau-Tschenstochauer Jura nimmt eine Reihe von Naturschutzgebieten ein, wo viele Burgruinen aus der Zeit des Kasimir des Großen (Kazimierz Wielki, 14. Jh.) gefunden werden können. Am schönsten und bekanntesten sind die Ruinen in Ogrodzieniec, Mirów, Bobolice und die Burg in Olsztyn (11 km südöstlich von Tschenstochau). Im Sommer sind die Kalkfelsen des Jura ein beliebtes Ziel von Bergsteigern. Es gibt hier übrigens eine weltweite Rarität - die Błędów-Wüste (Pustynia Błędowska) Zwar wird sie langsam von der Pflanzenwelt erobert, aber - Wüste bleibt Wüste.
  
Die Błędów-Wüste ist das größte polnische und bis vor kurzem das größte mitteleuropäische Gebiet losen Sandes im tiefen Inland. Der Sand wurde vor vielen Tausend Jahren durch den schmelzenden Gletscher angetragen. Sie hat eine Fläche von 32 km² (bis vor kurzem 150 km²) und liegt zwischen Klucze, Chechło und Błędów. Sie ist 9 km lang und 3-4 km breit. Die Sandschicht hat eine durchschnittliche Tiefe von 25 m. In den 50er und 60er Jahren gab es hier noch Fata Morganas, Sandstürme, Windhosen und Oasen. Jetzt gibt es in der Wüste immer mehr Pflanzen, besonders kaspische Weiden und man sieht immer seltener nur von Sand bedecktes Terrain. Es besteht jedoch die Vermutung, dass die Sandmengen in naher Zukunft erneut zunehmen werden. In den letzten Jahren ist die Wüste zum Mekka für alle Drachenflieger geworden. Und das nicht nur wegen der ziemlich hohen Hügel, die einen guten Start ermöglichen, sondern ebenfalls dank den günstigen Windströmen, die den Drachen hoch steigen lassen.
 
 
Der kleinste polnische Nationalpark ist der 1580 ha große Ojcowski-Nationalpark nahe Krakau im Tal des Flusses Prądnik. Er wurde am 14. Januar 1956 gegründet und steht trotz seiner geringen Größe unter den ersten 20 von 1200 Biosphärenreservaten, die von der Unesco erfasst wurden. Jährlich besuchen die reizvolle Naturlandschaft des Ojcowski-Nationalparks 350-400 000 Besucher. Sie werden von fantastischen Felsformationen mit mythologisch-märchenhaften Namen wie z.B. die 20 m hohe Herkules-Keule, über 400 Höhlen und bis zu 100 m tiefen Schluchten und Vauclusequellen, einer einzigartigen Pflanzenwelt sowie mittelalterlichen Schlössern und Ruinen angelockt.


Góry Świętokrzyskie (Heiligkreuz-Gebirge): das älteste und niedrigste Gebirge

www.sejmik.kielce.pl


Einen Teil der Kleinpolnischen Hochebene (Wyżyna Małopolska) bildet auch die Hochebene von Kielce und Sandomierz (Wyżyna Kielecko-Sandomierska) mit dem Heiligkreuz-Gebirge (Góry Świętokrzyskie), das zu den ältesten Gebirgszügen Europas zählt. Die langen, sanften Bergrücken mit einem Höchstgipfel von gerade einmal 612 m (der Kahle Berg - Łysica) sind nämlich 650 Mio. Jahre alt. Die infolge der Verwitterung der Felsen unter niedriger Temperatur entstandenen, zahlreich auftretenden, unbewaldeten Bergrücken und Abhänge sind charakteristisch für diese Gebirgslandschaft. Die Heiligkreuz-Berge waren in der Vergangenheit vollkommen bewaldet. Heute gibt es hier nur noch Restbestände zweier Urwälder - der Puszcza Jodłowa und der Puszcza Świętokrzyska. Sämtliche für das Tiefland typische Farn- und Bärlapparten wachsen hier. Die hiesigen Moorgebiete mit ihren Sumpfgewächsen wie Sonnentau und Orchideen stehen unter Naturschutz.
Zu den hier lebenden Tieren zählen Wildschwein, Fuchs, Hirsch, Reh, Damhirsch, Dachs, Biber, Wiesel, Marder und Eichhörnchen und über 150 Vogelarten (u. a. Auerhahn und Birkhuhn). Einige Gebiete der Region stehen unter Naturschutz im 1950 gegründeten, 7626 ha großen Świętokrzyski-Nationalpark., wo man u.a. den Kahlen Berg (Łysa Góra) - einen legendären Hexen-Treffpunkt besuchen. Archäologische Forschungen haben gezeigt, dass sich hier vor Jahrhunderten ein Zentrum des heidnischen Kults befand, wo man den slawischen Naturgöttern Lada, Boda und Leli huldigte. Außerdem sind hier 66 Reservate mit 670 Naturdenkmälern zu finden.
  
Die 1000-jährige Eiche BartekDas berühmteste Naturdenkmal der Heiligkreuz-Berge ist die 1000-jährige Eiche Bartek, die zu den ältesten Bäumen Polens zählt. Sie ist fast 30 m hoch und hat einen Umfang von 13 m. 
 
 
Die Heiligkreuz-Berge sind von jüngeren, aus Kalkstein bestehenden Felsgebilden umgeben. Es gibt hier viele Höhlen und Grotten. Die unter Naturschutz stehende, berühmteste und landesweit schönste davon ist die Tropfsteinhöhle "Raj" (Paradies). Sie ist für Touristen zugänglich.
  
Knochen vom WollnashornDie bei Kielce gelegene Höhle Raj (Paradies) gilt als die berühmteste und schönste in Polen. Sie wurde erst 1964 entdeckt. Man fand hier Knochen von Tieren aus der Eiszeit wie Mammut, Wollnashorn, Bär und Höhlenlöwe sowie Werkzeuge, die Neandertaler vor 40-50 000 Jahren angefertigt hatten. Die Höhle ist leicht begehbar. Die nur 180 m lange Route ist sehr beeindruckend. Durch entsprechende Beleuchtung werden die herrlichen Stalaktiten, Stalagmiten, Säulen, Draperien, Kaskaden und unterirdische Seen aus der Dämmerung hervorgeholt. In der Paradies-Höhle hängen von einem Quadratmeter Höhlendecke bis zu 200 Tropfsteine. Es gibt hier auch den weltweit seltenen Erbsenstein Pisolith, auch Höhlenperle genannt.
 
 
Karpaten: Wanderwege durch Wälder und über Almen
Die Tatra
Der höchste Gebirgszug der Karpaten wird von den Tieflandbewohnern als das "einzig echte" Gebirge in Polen betrachtet. Im Sommer werden die entferntesten Winkel der Tatra von Wandergruppen und einzelnen Touristen besucht. Im Winter ist die "Winterhauptstadt Polens" Zakopane ein Mekka für Skifahrer.
Das Angebot der Tatra ist sehr reich. Es ist das einzige polnische Gebirge, das mit den Alpen verglichen werden kann. Es gibt hier viele Wanderwege mit wunderschönen Aussichten. Um die Schönheit der Tatra bewundern zu können, muss man nicht unbedingt hohe Gipfel erklimmen, es genügt ein Spaziergang durch eines der herrlichen Täler: Chochołowska, Kościeliska, Strażyska oder Rybi Potok. Im Winter verwandeln sich viele Berghänge in Skipisten. Das am Fuße der Tatra gelegene Zakopane ist keine gewöhnliche Stadt, denn sie weist eine besondere Folklore mit eigenen Bräuchen, Tänzen, Liedern und Trachten auf. Die Bergbewohner unterscheiden sich auch durch ihren Dialekt und die originelle Architektur von dem Rest Polens. Die Tatra ist die höchste Gebirgsgruppe der gesamten Karpaten, die sich bogenartig vom Donaudurchbruch im Eisernen Tor bis zum Mährischen Tor zieht. Sie nimmt eine Fläche von 785 km² ein, wovon zu Polen knapp 25%, d. h. etwa 175 km² gehören. Der höchste Gipfel der Tatra - Gerlach (2655 m) - befindet sich in der Slowakei. Der höchste Gipfel in Polen liegt an der Grenze zur Slowakei (Rysy; 2499 m). Der höchste, "ganz" zu Polen gehörende Berg ist der Kozi Wierch (2291 m).
Die polnische Tatra besteht aus der Hohen und aus der Westlichen Tatra. In der Hohen Tatra gibt es die meisten (eiszeitlichen) Wasserbecken und in der Westlichen die schönsten Höhlen. Die Hohe Tatra gehört den Mutigen. Ihre steilen Hänge, scharfen Grate und Abgründe sind ebenso schön wie heimtückisch. Die Westliche Tatra ist weniger gefährlich. Sie hat größere Flächen und ist pflanzenreicher.
  
Das Wasser stürzt 70 m· Der höchste, "ganz" zu Polen gehörende Berg ist Kozi Wierch (2291 m)· Der größte See der Tatra ist das Meeresauge (Morskie Oko) (34,9 ha)· Der tiefste See der Tatra ist der Große Teich (Wielki Staw, 79,3 m) im Tal der Fünf Großen Polnischen Seen (Dolina Pięciu Stawów Polskich) · Die tiefste Höhle ist die Große Schneehöhle (Wielka Śnieżna) im Bergmassiv Rote Gipfel (Czerwone Wierchy, 814 m Höhenunterschied)· Das längste Tal der polnischen Tatra heißt Dolina Suchej Wody Gąsienicowej (13 km)· Der größte Wasserfall der Polnischen Tatra (und Polens) heißt Wielka Siklawa. Hier stürzt das Wasser an der Schwelle des Tals der Fünf Großen Polnischen Seen 70 m in die Tiefe· Der größte Schneefall von 3,55 m wurde im April 1996 auf dem Gipfel Kasprowy Wierch gemessen
 
 
In der Tatra gibt es viele Wasserfälle. Die bekanntesten und schönsten im polnischen Teil heißen Wodogrzmoty Mickiewicza und Wielka Siklawa. Sie bieten besonders im Frühling bei Sonnenaufgang einen wunderbaren Anblick. Es gibt 43 postglaziale Seen mit smaragdblauem Wasser und einer Gesamtoberfläche von 160 ha. Die meisten von ihnen liegen in der Hohen Tatra, höher als 1600 m. Am größten und am schönsten, sowie am leichtesten zu erreichen ist das Meeresauge (Morskie Oko, 1393 m).
Die Tatra hat die reichste Pflanzenwelt der Karpaten. Allein in der Polnischen Tatra gibt es über 1000 Arten von Gefäßpflanzen, wovon 250 zur Gebirgs- bzw. zur Hochgebirgsflora gehören. Charakteristisch sind die Vegetationszonen. Über dem Vorgebirgsland liegen zwei Waldstufen - der untere Hochwald (hauptsächlich Buche und Tanne) und der obere Hochwald (hauptsächlich Fichte, Zirbelkiefer und Karpatenbirke). Bei 1500 m hört der Wald auf - höhere Partien sind nur mit niedrigen Zwergkiefern bewachsen, die die Erosion verhindern. Ab 1800 m beginnen die Almen, auf denen noch vor einigen Jahren Schafe weideten. Ab 2300 m sind die Berge kahl. Auf den nackten Felsen wachsen nur Pflanzen, die den rohen Witterungsverhältnissen auf dieser Höhe widerstehen können.
Es gibt einige Pflanzenarten, die immer mit der Tatra in Verbindung gebracht werden - das kleine, filzige Edelweiß, die stengellose Silberdistel (die hier gern zur Dekoration verwendet werden) und die violetten Krokusse, von denen es gleich nach der Schneeschmelze riesengroße Blütenteppiche gibt. Die schönen Zirbelkiefern wachsen hauptsächlich am Meeresauge und in der Umgebung des Roztoka-Tals.
In der Tatra leben viele Tiere. In den Wäldern findet man Hirsche (etwa 300), Rehe, Wildschweine, Wölfe, Füchse, Luchse und Wildkatzen. Der ehrwürdigste Bewohner des Hochwaldes ist der Braunbär, der während seiner Wanderungen sogar die hohen Gebirgspässe erreicht. Gegenwärtig leben auf der polnischen Seite etwa zwölf von insgesamt 60 Braunbären.
Zu den seltenen Vogelarten gehört der Steinadler, von dem in der gesamten Tatra nur noch einige Paare leben. Auch die Zahl der Krähen wird immer kleiner. In der Tatra wurden im Jahr 2000 etwa 80 Gämse gezählt. Sie sind relativ leicht zu beobachten. Übrigens sind sie Symbol des Tatra-Nationalparks. Um einem Murmeltier zu begegnen, muss man viel Glück und Geduld haben. Man bekommt es häufiger zu hören als zu sehen, da dieses ängstliche Tier bei geringster Gefahr seine Verwandtschaft mit einem schrillen Pfiff warnt, dessen Hall aus großer Entfernung zu hören ist.
Zum Schutz der Tatra wurde 1955 der 21 400 ha große Tatra-Nationalpark gegründet.


Die Beskiden (Beskidy)
Die Beskiden machen den größten Teil der polnischen Karpaten aus. Sie sind in West- und Ostbeskiden unterteilt. Die Westbeskiden (Beskidy Zachodnie) bestehen aus acht Gebirgsgruppen. In Małopolska liegen u. a. die Gebirgszüge Beskid Mały, Żywiecki, Wyspowy, Sądecki und Gorce. Die kuppelförmigen Berge der Beskiden mit sanften, dicht bewaldeten Hängen sind ideal für lange, ruhige Wanderungen. Es gibt viele Wanderwege sowie Dörfer und Städtchen, die am Fuße des Gebirges liegen.
Die Kleinen Beskiden (Beskid Mały) sind eine niedrige Bergkette, die sich von Bielsko-Biała bis zum Flusstal der Skawa zieht. Beskid Żywiecki bilden die südliche Grenze. Und die westlichen Hänge führen direkt in Orte wie Kęty, Andrychów und Wadowice (Geburtsstadt von Papst Johannes Paul II.). Die Bergrücken sind durch tiefe Täler voneinander getrennt und größtenteils bewaldet. Es gibt hier jedoch auch einige sehr schöne Lichtungen mit wunderschönen Aussichten. Die Berge mit ihren sanften Hängen sind nicht höher als 950 m.
Das Gebirge Beskid Żywiecki ist nach der Tatra die zweithöchste Erhebung der polnischen Karpaten und liegt zwischen dem oberen Lauf der Flüsse Sola und Skawa. Der höchste Gipfel ist der Weiberberg (Babia Góra), der mit 1725 m der höchste Berg der polnischen Beskiden ist. Die Landschaft steht unter dem Schutz des Babia Góra-Nationalparks (1955 gegründet; 3392 ha), der 1977 als einer der ersten Gebirgsnationalparks als Biosphärenreservat von der Unesco erfasst wurde.
Die Inselbeskiden (Beskid Wyspowy) liegen zwischen dem mittleren Teil des Tales vom Fluss Raba und dem Dunajec-Tal. Seine Bezeichnung ist auf den atypischen geomorphologischen Aufbau zurückzuführen. Es gibt hier wenige Bergketten, dafür zahlreiche allein stehende Berge mit steilen Hängen und flachen Gipfeln. Der höchste - Mogielica - ist 1171 m. Das Gebirge ist zu jeder Jahreszeit schön, besonders im Herbst, wenn die dunklen Inseln der Gipfel aus dem Nebelmeer herausragen. Die Bevölkerung setzt sich aus Vertretern unterschiedlicher ethnischer Gruppen zusammen, die sorgsam ihre uralten Traditionen und ihre Folklore pflegen.
Das Gebirge Beskid Sądecki liegt zwischen dem Dunajec-Tal und den Gebirgszügen Gorce und Beskid Wyspowy. Im Osten grenzt es an das Gebirge Beskid Niski, im Süden an die Pieninen und die Slowakei. Die Beskiden werden durch das malerisch gelegene Flusstal des Poprad Beskid geteilt, das zum Poprad-Landschaftspark gehört. Die Berge sind bewaldet und nicht besonders hoch. Nur der Radziejowa ragt mit seinen 1262 m heraus. Im Westen des Gebirges Beskid Sądecki liegen zwei historische Städte - Nowy Sącz und Stary Sącz. Nowy Sącz (Neu Sandez) liegt an einem steilen Hang, wo sich die Flüsse Kamienica und Dunajec vereinigen. Es hat eine mittelalterliche Stadtanlage und einen großen Marktplatz, in dessen Mitte ein Rathaus vom Ende des 19. Jh. steht. Von der Schlossruine hat man eine schöne Aussicht auf den Dunajec und die Inselbeskiden. Stary Sącz hat viele historischen Gebäude, an denen man sich in der Kutsche vorbeifahren lassen kann. In der Gegend gibt es auch einige landesweit bekannte Kurorte mit Mineralquellen, wie Krynica, Żegiestów, Piwniczna und Muszyna. Die umliegenden Dörfer bewohnte einst der Volksstamm der Lemken. Sie hinterließen sehr schöne hölzerne und gemauerte Kirchen. Über den Baustil der Lemken informiert ein Freilichtmuseum, in dem es Bauernhütten und Wirtschaftsgebäude sowie Kirchen gibt.

Gorce
Die Gebirgsgruppe Gorce ist Teil der Westbeskiden. Sie liegt zwischen den Flüssen Raba und Dunajec, im Norden grenzt sie an die Inselbeskiden (Beskid Wyspowy) und im Süden an das Tatra-Vorland (Podhale). Von oben betrachtet erinnert sie an einen Tintenfisch - diese charakteristische Anlage von Erhebungen, die von einem Punkt ausgehenden gewundenen Hörnern gleicht, wird auch als Seestern bezeichnet.
Die leicht zu erklimmenden, rundlichen, flachen und dadurch touristenfreundlichen Gipfel (die höchste Erhebung - Turbacz ist 1310 m hoch) sind nicht das einzige, was diese Berge zu bieten haben. Es gibt hier zwar keine hohen Felsen, Gebirgsseen und tiefen Schluchten, trotzdem besitzen die Gorce das gewisse Etwas, das Bewunderung erweckt und jeden, der einmal hier gewesen ist, immer wieder herlockt. Mit Sicherheit ist es eine phantastische Landschaft - lange, vereinzelte Bergrücken sind durch tiefe und wilde Täler voneinander getrennt, mit Karpatenbuchen- und Fichtenwäldern bewachsen, deren weite Flächen große Almen und reizvolle Lichtungen durchbrechen. Diese malerischen Wiesen und Lichtungen sind ganz typisch für diese Gegend. Hier und da stehen alte Holzhütten, denn einst wurden hier massenweise Schafe geweidet.
1981 wurde der 7020 ha große Gorce-Nationalpark gegründet. Er ist eine Oase der Stille. Es gibt ein dichtes Netz an Wanderwegen, einige Herbergen und Zeltplätze, und man findet ohne weiteres stille, reizvolle Ecken.
In den ausgedehnten Wäldern, die vorwiegend aus Tanne, Buche und Fichte bestehen, und auf den Lichtungen findet man viele Blumen- und Kräuterarten, u. a. Krokusse, Türkenbund, Schneeglöckchen, Stengellose Silberdistel und Orchideen. Im Sommer wachsen im Unterholz viele Heidelbeeren und Himbeeren. Die Tierwelt der Gorce ist sehr artenreich. Hier leben Rehe, Hirsche, Wildschweine, Hasen und Luchse. Es gibt etwa 100 Vogelarten, darunter große Raubvögel wie Habicht, Mäusebussard, Falke, Auerhahn, Birkhahn, Roter Hühnergeier und Schwalbenstößer (Sperber). Zurückgekehrt sind auch die selten vorkommenden (in Paaren lebenden) Krähen. Der seltene und unter Schutz stehende Salamander ist das Symbol des Nationalparks von Gorce.
Pieninen (Pieniny)
Die Pieninen ziehen bereits seit dem 13. Jh. Touristen an. Schon damals wussten die politischen und kulturellen Eliten aus Polen und aus dem Ausland diese wunderschöne Landschaft zu schätzen. Heute wird dieses Gebirge jährlich von 400 000 Touristen besucht.
Die zu den Westkarpaten gehörenden Pieninen sind ein verhältnismäßig kleines, aber hinsichtlich der Landschaft, der Natur und des Tourismus sehr attraktives Bergland. Die Natur hat hier wahre Wunder vollbracht. Sie schuf vor Millionen Jahren herrliche Kalkfelsen, die trotz ihrer geringeren Höhe beeindruckend groß wirken. Ihre Gipfel ragen senkrecht über die bewaldeten Hänge hinaus, zwischen denen sich der Gebirgsfluss Dunajec in einer tiefen Schlucht wild entlang schlängelt.
Der kostbaren Natur wegen wurde hier 1932 der Pieninen-Nationalpark (Pieninski Park Narodowy) gegründet. Hinsichtlich seiner Größe (2346 ha) gehört er zwar zu den kleinsten, hinsichtlich des Angebots an Sehenswürdigkeiten zählt er jedoch zu den interessantesten Nationalparks in Polen. Wanderwege und zahlreiche Aussichtspunkte ermöglichen auch während eines kurzen Aufenthalts, viele Besonderheiten der Natur kennen zu lernen. Geringe Höhenunterschiede (höchster Gipfel - Wysoka - 1050 m) machen den Pieninen-Nationalpark für jeden Touristen zugänglich. Der Park hat seine Fortsetzung in der Slowakei. Dort stehen 3750 ha unter Naturschutz.
  
Zweiter internationaler NationalparkDer an der polnisch-slowakischen Grenzen entstandene Pieninen-Nationalpark ist der erste europäische und weltweit der zweite internationale Naturpark (nach dem Park des Friedens Waterton-Glacier, der die Grenzgebiete der Provinz Alberta in Kanada und dem Staat Montana in den USA umfasst).
 
 
Die Pflanzenwelt der Pieninen ist sehr reichhaltig. Die steilen Hänge sind mit Tannen- und Buchenwäldern bewachsen, dazwischen stehen Ahorn und Ulme. Für die Landschaft der Pieninen sind die in Grüppchen auf Felsgipfeln wachsenden Kiefer charakteristisch. Die Eibe kommt nur noch vereinzelt vor.
Man findet hier ausgedehnte Wiesen, die beim Abroden von Wäldern für landwirtschaftliche Zwecke entstanden sind. Seitdem sie nicht mehr regelmäßig von Schafen abgefressen werden, wachsen hier verstärkt Bäume. Auf den üppigen Wiesen der Pieninen wurden 3000 Pflanzenarten gezählt. Zu den Besonderheiten gehören endemische Pflanzen, wie der Pieninen-Löwenzahn und der Pieninen-Schöterich, sowie botanische Raritäten wie die Zawadzki-Lilie, die hier häufig zu finden ist. Ihr nächster Standort befindet sich im Ural.
Im Pieninen-Nationalpark leben 150 Vogel- und 250 Tierarten. Man findet hier: Luchs, Wildkatze, Hirsch und Fuchs. Der Stolz des Parks aber sind seine Insekten - insbesondere die Schmetterlinge, die hier mit 1600 Arten vertreten sind.
Für unvergessliche Eindrücke sorgt ein Ausflug zu den Drei Kronen (Trzy Korony, 982 m), den Gipfeln von Sokola Perć und Sokolica (747 m), sowie in die Kleinen Pieninen (Male Pieniny). Besonders schön ist die Landschaft im Herbst, wenn sich die Bäume unterschiedlich färben und die Luft klarer wird, besonders schön. Hier, am wunderschönen Durchbruch des Flusses Dunajec kann man an einer faszinierenden Floßfahrt teilnehmen. Seit 150 Jahren werden die Touristen von Flößern in schmalen, hölzernen Kähnen, die jeweils zu fünft zu einem Floß miteinander verbunden werden, durch eine eindrucksvolle Wasserstraße mitten durch das Herz dieses Gebirges befördert. Der Fluss macht auf 15 km Länge drei riesige Schleifen in einer schmalen Schlucht zwischen monumentalen Berghängen.
Die Schönheit der Landschaft in den Pieninen bestimmt nicht allein die Natur. Es gibt auch viele kleine, wunderschöne Städtchen. Die größte und reizvollste ist Szczawnica, ein landesweit bekannter Kurort mit zahlreichen Mineralquellen, deren heilende Eigenschaften bereits im 16. Jh. bekannt waren. Damit behandelt man Erkrankungen der Atemwege und des Verdauungssystems sowie Allergien. Besuchenswert sind ebenfalls Czorsztyn und Niedzica am Ufer des Stausees von Czorsztyn, der sehr malerisch gelegen ist. In Czorsztyn befinden sich die imposanten Ruinen eines Königsschlosses aus dem 14. Jh. Die felsige Einöde und die Ruinen sind Bestandteil eines Landschaftsreservats. Über dem 1996 in Niedzica, am Fluss Dunajec errichteten Staudamm (Wasserkraftwerk) steht eine wunderschöne Burg aus dem 14. Jh., die im Stil der Renaissance umgebaut wurde. Sie gilt als eine der kostbarsten Festungen Polens.
Ausflugsziele: Unterhaltung und Gedenken


Krakau: Kultur und Cafés
Krakau hat eine tausendjährige Tradition und war einige Jahrhunderte Polens Hauptstadt. Seinen Reiz bestimmen alte, ruhige Pflasterstrassen, unzählige Sehenswürdigkeiten, herrliche Museen und Gasthäuser sowie gemütliche Kneipen und Cafés. Krakau gehört den Studenten, von denen es an zwölf Hochschulen 100 000 gibt.
Krakau ist im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört worden. Die historische Bebauung ist in ihrer Gesamtheit erhalten geblieben. Die kleine St. Adalbertskirche auf dem Hauptmarkt und die Andreaskirche in der Grodzka-Straße stammen sogar aus dem frühen Mittelalter, dem 10.-11. Jahrhundert. Die Stadt hat zwei große Sehenswürdigkeiten: den Wawel-Hügel mit dem riesigen Schloss, dem einstigen Sitz der polnischen Könige, und den Hauptmarkt. Er ist das mit historischen Gebäuden umgebene Herz der Stadt, wo sich das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Krakauer konzentriert. Der Wawel und die Krakauer Altstadt wurden auf die erste, 1978 zusammengestellte Liste des Weltkulturerbes der UNESCO gesetzt. Diese bedeutende Auszeichnung erhielten damals weltweit nur zwölf Objekte.
  
Kulturhauptstadt1995 hat der EU-Ministerrat für Kultur Krakau den Titel "Europäische Kulturstadt für das Jahr 2000“ verliehen. Derartig geehrt wurden außerdem Avignon, Bologna, Bergen, Brüssel, Helsinki, Prag, Reykjavik und Santiago de Compostela.
 
 
Auf dem am Weichselufer gelegenen Wawel-Hügel haben sich seit jeher Menschen angesiedelt. Bereits 50 000 v. Chr. campierten hier Mammutjäger. Das Königsschloss und die dazugehörige Kathedrale wurden mehrmals umgebaut und sind eine Mischung der Baustile: Romanik, Gotik und Renaissance. Ein Meisterwerk der Renaissance ist die Sigismund-Kapelle. Es lohnt sich auch, auf den Sigismund-Turm zu steigen, wo sich die zweitgrößte polnische Glocke befindet, die 1520 auf Kosten des Königs Zygmunt I. Stary (des Älteren) aus Kanonen gegossen wurde. Die Glocke ertönt nur an wichtigen staatlichen Feiertagen. Um sie zu bewegen, werden 10 Männer gebraucht (sie wiegt 12,7 Tonnen) und ihr Klang ist noch in 12 km Entfernung zu hören. Am Heiligen Abend des Jahres 2000 ist der Schlägel der Sigismund-Glocke gesprungen, was viele für ein böses Omen hielten. Innerhalb weniger Monate wurde ein neuer, 300 kg schwerer Glockenschlägel gegossen und angebracht. Die größte Glocke Polens hängt übrigens im Sanktuarium der Marianer in Licheń in der Region Kujawy.
Beim Schlendern über den Wawel kann man, wie nirgendwo anders in Krakau, den Hauch der Geschichte spüren. In den Grüften befinden sich die Gebeine von polnischen Königen und anderen berühmten Polen, z. B. Tadeusz Kościuszko, Józef Piłsudski oder Władysław Sikorski. Öffentlich zugänglich sind auch die königlichen Gemächer sowie die Schatz- und Waffenkammern. Auf dem Wawel kann man die weltweit größte und wertvollste Sammlung großflächiger Gobelins aus der Renaissance bewundern.
  
Energiequelle in Krakau: ChakrasNach dem hinduistischen Glauben gibt es auf der Erde sieben geheimnisvolle Energiequellen - Chakras. Sie befinden sich in Jerusalem, Rom, Welehrad, Delphi, Mekka, Delhi und in Krakau. Die Chakras sollen angeblich eine negative Ionisation erzeugen, wodurch sich die Menschen besser fühlen und entspannen. Der Platz, an dem das Chakra in Krakau lokalisiert wurde, musste umzäunt werden, da die jahrhundertealte Mauer durch das Anlehnen der Touristen immer mehr verschlissen ist. Man kann hier aber weiterhin positive Energie aufladen.
 
 
Der Hauptmarkt (Rynek Główny) ist mit 200 x 200 m der größte mittelalterliche Platz Europas. Er ist zu jeder Jahres- und Tageszeit wunderschön. So wie vor Jahrhunderten konzentriert sich hier das Leben der Stadt. Der Markt ist ein wahrhaftiger "Salon" der Kultur, des Handels und der Touristen. Fast kein Haus ist hier nur Wohngebäude - fast in jedem gibt es Cafés, Restaurants, Pubs, Galerien, Museen und Geschäfte. Blumenfrauen bieten wie vor Jahrhunderten bunte Sträuße an und Straßenmusikanten bitten um ein paar Groschen. Im Sommer gibt es viele Maler und Leute, die Brezeln, Andenken und alles mögliche Verkaufen. Touristen, Studenten und Unmengen an Tauben findet man hier zu jeder Jahreszeit.
Die bekanntesten Bauten des Hauptmarkts sind die Marienkirche und die Tuchhallen. Die Kirche, eine gotische Basilika, die zwischen dem 13. und 15. Jh. entstand, birgt in ihrem Inneren einen wahren Schatz - den größten und einen der europaweit schönsten mittelalterlichen Altäre von Veit Stoß. Der Altar ist 13 m hoch und 11 m breit. Er besteht aus 200 geschnitzten Figuren, die 3-300 cm groß sind. Der Meister arbeitete 12 Jahre daran. Vom höheren Turm der Kirche erklingt in alle vier Himmelsrichtungen stündlich das berühmte Trompetenlied.
Die 108 m langen Tuchhallen stehen mitten auf dem Markt. Seit dem 13. Jh. waren sie vor allem ein Handelszentrum und sie sind es bis heute geblieben. In ihrem Inneren, wo es immer voll und laut ist, befindet sich beiderseits je eine Reihe von Ständen mit Andenken, Handwerkserzeugnissen und Schmuck aus Silber und Bernstein. Außer den Tuchhallen sind auf dem Hauptmarkt die kleine St. Adalbertskirche aus dem 11. Jh. und der Rathausturm erhalten geblieben. Das Rathaus, der mittelalterliche Sitz der Stadtherren, wurde wegen großer Bauschäden Anfang des 19. Jh. abgetragen. Es sind die einzigen Gebäude, die noch auf dem einst dicht bebauten Platz stehen.
Die Krakauer Altstadt ist nicht nur in seinem Gesamtbild ein großes Museum, sondern auch ein geeigneter Ort für Unterhaltung und lebhaftes Nachtleben. Dafür muss man oft in die Keller der historischen Gebäude, wo sich über 100 Cafés, Restaurants und Pubs befinden, hinabsteigen. Die Krakauer Gasthäuser, von denen jedes eine einzigartige Ausstattung und Atmosphäre hat, sind landesweit berühmt. Deswegen wird Krakau an den Wochenenden von Menschen aus ganz Polen besucht. Im Sommer ziehen die Cafés und Pubs nach draußen und umgeben den Markt mit einem dichten Ring farbiger, lebensfroher Sommergärten.
Es gibt in Krakau noch einen faszinierenden Ort. Es ist der jüdische Stadtteil Kazimierz, der 1335 vom König Kazimierz Wielki (dem Großen) gegründete wurde und einst eine eigenständige Stadt war. Heute gehört Kazimierz zu Krakau, hat jedoch einen eigenen Charakter. Synagogen (die älteste stammt aus dem 15. Jh.) und kleine Häuser schmiegen sich dicht aneinander und sich umgeben von kleinen, schmale Straßen und einem einzigartigen jüdischen Friedhof aus dem 16. Jh. Die jüdische Bevölkerung wurde hier von den Deutschen im Zweiten Weltkrieg ausgesiedelt. Ein Spaziergang durch das Labyrinth schmaler Gassen wird zu einem ungewöhnlichen Erlebnis. Es gibt hier Orte, an denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Derweil verstecken sich hinter den Fassaden exklusive Hotels, Restaurants mit jüdischer Küche und gemütliche Kneipen.


Wieliczka: Kronleuchter aus Salz
Manche Touristen kommen nur wegen des Salzbergwerkes in Wieliczka nach Polen. Die berühmteste Salzgrube der Welt ist einer der wenigen Orte Polens, der auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO (1978) steht und als so genanntes Denkmal der Geschichte anerkannt wurde (1994).
Die Geschichte der Salzgewinnung in Wieliczka reicht weit zurück. Archäologische Funde bestätigen, dass hier bereits 3000 Jahre v. Chr. natürliche Solequellen existierten. Mit den Benediktinern kam eine weiterentwickelte Technik nach Wieliczka. Sie gruben die ersten Schächte - der älteste stammt von 1280. Die heutige Salzgrube ist ein Labyrinth unterirdischer Gänge und Kammern, mit einer Länge von 350 km. Zwei Kilometer sind zur Besichtigung freigegeben. Jährlich kommen 700 000 Besucher hierher. Die unterirdische Route führt durch drei Ebenen (64 bis 135 m tief), in denen sich 20 historische Kammern befinden. Insgesamt gibt es neun Ebenen, die tiefste liegt 342 m tief. Besichtigt werden u. a. Kammern, in denen einst Salz gefördert wurde, unterirdische Seen und einzigartige Kapellen mit Salzskulpturen und Flachreliefs. In 101 m Tiefe liegt die Kinga-Kapelle mit wunderschönen Skulpturen und Kronleuchtern. Die Kapelle ist 54,5 m lang, 10-18 m breit und 10-12 m hoch und sollte eigentlich als eine unterirdische Salzkirche bezeichnet werden.
Auf der dritten Ebene (135 m) befindet sich das Museum des Salzbergwerks. Es soll das weltweit größte Bergbaumuseum sein. Die Ausstellung umfasst 3000 Exponate, darunter alte Werkzeuge und Sammlungen von Mineralen und Volkskunst-Gegenständen.
Da die hiesige Luft heilende Eigenschaften aufweist, wurde auf der 5. Ebene (211 m unter der Erde) ein Sanatorium eingerichtet, in dem verschiedene Allergien und Asthma behandelt werden.
Tschenstochau (Częstochowa): die Schwarze Madonna
Tschenstochau an der Warthe (Warta) ist Polens religiöses Zentrum, weil sich hier auf dem Hellen Berg (Jasna Góra) das Paulinerkloster befindet. In der Kapelle der Muttergottes von Tschenstochau aus dem 15. Jh. gibt es im Hauptaltar das in Polen am meisten verehrte Bild Marias mit dem Jesuskind, das jährlich von 4 Mio. Touristen besucht wird.
  
Im Bund der PilgerstädteTschenstochau erhielt als erste Stadt Mittelosteuropas im April 1998 den Prix de l’Europe 1998, um den sich 50 europäische Städte beworben hatten. Tschenstochau bekam ihn für die langjährige Zusammenarbeit im Rahmen des Bundes der Pilgerstädte, dem außerdem Altötting, Fatima, Loretto und Lourdes angehören. Er fördert gemeinsame Initiativen und den Pilgertourismus.
 
 
Das Ziel der Pilger, das Bildnis der Schwarzen Madonna, ist hinter einem Vorhang aus silbernem Blech (von 1673) verborgen, der nur zweimal am Tag geöffnet wird. Es hat sieben, reich mit Gold, Silber und Edelsteinen verzierte "Kleider", mit denen es abwechselnd umhüllt wird. Der Volksmund sagt, dass das Marienbildnis vom Hl. Lukas dem Verkünder stamme und auf einem Brett vom Tisch aus dem Hause der Heiligen Familie gemalt worden sei. Die Schrammen auf der Wange Marias sollen Wunden sein, die ihr 1430 bei einem Überfall auf das Kloster auf dem Hellen Berg mit einem Schwert zugefügt wurden. In Wirklichkeit ist dieses berühmte, wundertätige Bild eine byzantinische Ikone aus dem 6.-8. Jh., die über Ruthenien nach Polen gelangte. Das Werk, das wir heute auf dem Hellen Berg besichtigen können, ist nur eine Kopie, da das Original zerstört wurde. Sie entstand nach 1430 und die zwei Schrammen hat der Künstler auf Marias Gesicht gemalt, um an die Zerstörung des Originals zu erinnern.
An den Wänden der Kapelle befinden sich zahlreiche Votivgaben der Pilger. Gehbehinderte, die dank der wundertätigen Eigenschaften des Bildnisses geheilt wurden, haben hier ihre Krücken stehen lassen. Die kostbarsten Votivgaben befinden sich in der Schatzkammer. Die Besichtigung der Kostbarkeiten, darunter Schenkungen der polnischen Könige, dauert mehrere Stunden. Die ältesten Votivgaben stammen aus dem 14. Jh. Viele von ihnen gelten als Kunstwerke.


Auschwitz (Oświęcim): Vernichtungslager
Das Konzentrationslager wurde 1940 von den Nationalsozialisten am Rande der Stadt gegründet, die, ähnlich wie ganz Polen während des Zweiten Weltkrieges von den Deutschen okkupiert wurde. Kurz darauf wurde das Lager ausgebaut und um ein großes neues Lager im nahe gelegenen Birkenau (Brzezinka) erweitert.
1947 wurde auf dem Gelände zweier erhaltener Teile des Konzentrationslagers: Auschwitz I und Auschwitz II-Birkenau das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau gegründet. 1979 wurden beide Orte auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO gesetzt.
  
Statistik des GrauensGleich nach dem Krieg hat das Oberste Nationale Tribunal festgestellt, dass im Lager 2,8 Mio. Häftlinge aus 30 Ländern umgebracht wurden. Spätere Nachforschungen begrenzten die Zahl der Auschwitzopfer auf 1,1-1,5 Mio. Menschen. 90 % davon waren Juden, die aus allen okkupierten Ländern Europas hierher deportiert wurden. Die zweitgrößte Gruppe der Häftlinge waren Polen (140 000), von denen die Hälfte hier umgekommen ist. Im Lager befanden sich auch 20 000 Roma aus Europa, 10 000 sowjetische Kriegsgefangene und mehrere Tausend Häftlinge anderer Nationalitäten. Das tatsächliche Ausmaß des Verbrechens festzustellen, ist nicht möglich, weil die Nazis bei der Spurenbeseitigung die meisten Dokumente vernichtet haben. Außerdem wurde die Mehrheit der Häftlinge unmittelbar nach Ankunft in die Gaskammern geschickt - ihre Namen befanden sich auf keiner Aufnahmeliste.
 
 
Beim Betreten des Museums des Vernichtungslagers Auschwitz passiert der Besucher das in vielen Filmen und auf vielen Fotografien verewigte Tor mit der Aufschrift ,,Arbeit macht frei". Dahinter stehen mehrere Ziegelbauten, in denen die Häftlinge in unwürdigen Verhältnissen untergebracht waren. Einen erschütternden Eindruck hinterlassen die Ausstellungen in den Gefängnisblocks. Hier werden Gegenstände gezeigt, die den Häftlingen und den Ermordeten geraubt worden sind, darunter auch Spielsachen. Man sieht die Todeswand, die Räume, in denen Menschen mit Zyklon B vergiftet wurden, und die Todeszelle des heilig gesprochenen Maximilian Maria Kolbe, der für einen Mithäftling sein Leben opferte.
Ein Besuch im benachbarten Birkenau ist noch bedrückender. Hier befand sich das größte Konzentrationslager: fast 300 von den Häftlingen erbaute Baracken aus rohem Holz beherbergten bis zu 100 000 Personen auf einmal. Hier entstanden die meisten Vorrichtungen zur Massenvernichtung (4 Gaskammern und 4 Krematorien). Dieser Ort bedarf keiner Expositionen. Man war bemüht, den ursprünglichen Zustand dieses Lagers aufrechtzuerhalten, um auf diese Weise menschliche Demütigung und das Unfassbare dieses Verbrechens wiederzugeben.


Zakopane: das Tor zur Tatra
Zakopane ist ein gut ausgebauter Kurort und gleichzeitig Hauptstadt der Tatra und des Tatra-Vorlandes. Zakopane war bereits am Anfang des 20. Jh. ein beliebter Kurort und blieb es bis heute. Seit dem Ende des 19. Jh. war Zakopane ein Treffpunkt der polnischen Boheme: Dichter, Schriftsteller, Maler und Bildhauer. Sie trugen zu der außergewöhnlichen Atmosphäre dieser Stadt bei. Eine Erinnerung an diese Zeit sind die Straßennamen, die schönen, einst von bekannten Künstlern entworfenen und bewohnten Villen und die Bilder und Skulpturen in zahlreichen Galerien.
Heute gehört ein Besuch in Zakopane auch zum guten Ton, ähnlich wie in Sankt Moritz, in den Alpen. Einen Gegensatz zur versnobten Atmosphäre bilden jene Touristen, die die Stadt wie vor hundert Jahren mit dem Rucksack durchqueren, um die höchsten Tatra-Gipfel zu erklimmen.
Zakopane hat heute 30 000 Einwohner, von denen 5000 Nachkommen der einstigen, hier bereits im 19. Jh. ansässigen Bergbewohner sind. Die Bergvolk-Exotik dieser Ortschaft ist faszinierend. Neben wenigen Reihenhäusern, meistens Anfang des 20. Jh. erbaut, überwiegen zahlreiche Villen, Pensionen, Einfamilienhäuser und Holzhütten. Seit dem 19. Jh. träumten reiche Städter davon, eine reich verzierte Holzhütte im Zakopane-Stil mit einem nach oben zugespitzten Dach und einer Veranda zu besitzen. Beim Spaziergang durch Zakopanes ruhige Seitenstraßen gewinnt man leicht den Eindruck, in einem gut geführten Freilichtmuseum zu sein.
Die Hauptstrasse heißt Krupówki - es ist zugleich eine der berühmtesten Promenaden Polens, mit zahlreichen Restaurants, Cafés und Pubs. An den Ständen werden Andenken und oscypki angeboten - wohlschmeckende kleine Käsestücke aus Schafsmilch. Das ganze Jahr über begegnet man hier einer farbenfrohen, vielsprachigen Menschenmenge. Wegen der Lage und der Bebauung der Stadt ist das Gebirge nicht von überall zu sehen - manchmal ist es vollkommen verdeckt. Am meisten sticht der Berg Giewont hervor.
  
Ein Berg mit GesichtObwohl der Giewont kein besonders hoher Berg ist (1894 m), ist er der bekannteste Gipfel der Polnischen Tatra und ein Symbol Zakopanes. Dies verdankt er seiner spezifischen Form - wenn man ihn von der Stadt aus betrachtet, erinnert er an eine liegende menschliche Gestalt. Der Volksmund sagt, dass Giewont ein schlafender Ritter sei, der aufwachen wird, wenn das Land bedroht wird. Der Berg liegt im geometrischen Mittelpunkt der Tatra. In der Vergangenheit ersetzte er den Bergbewohner die Uhr und war ihnen beim Wettervoraussagen behilflich. 1901 wurde zur Feier der Jahrhundertwende auf der "Nase" des Ritters ein 15 m hohes Kreuz errichtet.
 
 
Wenn der Besucher nach Zakopane kommt, kann er ohne größere Strapazen in die Berge gelangen. Dies ermöglichen zwei Bahnen, die das ganze Jahr über in Betrieb sind - die Schienenseilbahn auf den Berg Gubałówka (1120 m) und die Seilbahn auf den Kasprowy Wierch (1987 m). Um sich vom Stadtlärm zu erholen und frische Luft zu schnappen, reicht es, einige Kilometer weit zu fahren - egal in welche Richtung. Um die Stadt herum liegen viele kleine Dörfer, die zum Tatra-Vorland (Podhale) gehören - einer historisch bedeutenden Landschaft zwischen Tatra, Gorce, Spisz und Orawa. Diese an Bächen, Flüssen und Berghängen gelegenen Dörfer und Städtchen werden von vielen Menschen als Ort der Erholung gewählt. Das Übernachtungsangebot ist, ähnlich wie in Zakopane, auch hier sehr breit gefächert. In den Dörfern der Tatra wird die alte Folklore gepflegt - an sonntäglichen Vormittagen ziehen die Einwohner ihre Volkstrachten an und eilen zur Messe in alte Holzkirchen. In den Wirtshäusern kann man den hiesigen Dialekt und wunderschöne regionale Musik hören.

 

MAŁOPOLSKA (KLEINPOLEN)

Małopolska (Kleinpolen) ist ein historischer und ethnographischer Landstrich am oberen und mittleren Flusslauf der Weichsel. Er umfasst den größeren Teil der Polnischen Karpaten, das Tal von Sandomierz (Kotlina Sandomierska), das Auschwitzer Tal (Kotlina Oświecimska) und das Kleinpolnische Hochland (Wyżyna Małopolska), dessen Bestandteil die unikale Naturregion des Krakau-Tschenstochauer Jura ist.
Die Region Małopolska hat viele historischen Sehenswürdigkeiten, eine herrliche Natur, und attraktive Erholungszentren. Hier die wichtigsten Städte: Krakau: Eine Stadt voller Kultur, in der 25 % der Musealbestände Polens lagern, und europäische Kulturstadt des Jahres 2000. Zakopane: Der herrliche Kurort liegt am Fuße des höchsten polnischen Gebirges, der Hohen Tatra. Dazu gehört die Region Podhale, die mit der Kultur des hiesigen Bergvolkes, der Goralen, aufs engste verknüpft ist. Etwa 4 Mio. Menschen kommen jährlich nach Tschenstochau (Częstochowa), Polens berühmtestem Wallfahrtsort, um vor dem Bildnis der Mutter Gottes von Tschenstochau - der schwarzen Madonna - im Paulinerkloster auf dem Hellen Berg (Jasna Góra) zu beten. Wieliczka: Hier kann man das weltweit am längsten betriebene Salzbergwerg besichtigen. Auschwitz (Oświęcim): Das von den Nazis angelegte und nach dem Krieg in ein Museum umgestaltete Vernichtungslager zieht alljährlich Millionen von Besuchern an. Lublin ist eine sehr schöne Stadt mit einer interessanten Altstadt und einem herrlichen Schloss. Zamość wird oft als "Padua des Nordens" bezeichnet. Es ist eine Perle der Renaissance, die auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO steht.
Es sei nach auf zwei Landschaften hingewiesen. Das östlich der Weichsel (Wisła) und südlich des Bugs gelegene Lubliner Land (Lubelszczyzna) und die südlich davon gelegene Region Roztocze. Die dortige Landschaft ist besonders schön und es gibt hier zwei Nationalparks. In diesen Gebieten sieht man oft noch Spuren von Juden, die hier einst gelebt haben.
Der Name "Małopolska" wird seit dem 15. Jh. verwendet. Der lateinische Begriff - "Polonia Minor" bedeutet "Jüngeres Polen" im Vergleich mit Wielkopolska (Großpolen), der Wiege des polnischen Staates. Małopolska wurde bereits Mitte des 11. Jh. zum wichtigsten Landesteil Polens, denn in der Landeshauptstadt Krakau residierten auf dem Wawelhügel Könige und Fürsten, hier blühte das kulturelle und wissenschaftliche Leben. 1364 gründete hier König Kazimierz Wielki (Kasimir der Große) die Krakauer Akademie, die heutige Jagiellonen-Universität, eine der ältesten Hochschulen Europas. Hier entstanden die prunkvollsten Schlösser und Kirchen des Landes. Durch Małopolska verliefen wichtige Handelswege zwischen Westeuropa und dem Schwarzen Meer, was sich auf die Entwicklung vieler Städte sehr positiv ausgewirkt hat.
Anfang des 16. Jh. wurde Landeshauptstadt nach Warschau verlegt. Im 18. Jh. ist Polen geteilt worden und von Europas Landkarte verschwunden. Durch die Teilung ging Małopolska an Österreich. 1809 wurde ein Teil der Region dem Warschauer Fürstentum angegliedert und 1815 dem Königreich Polen. Krakau und Umgebung wurden zur Krakauer Republik (1815-1846) ernannt, die unter gemeinsamer Aufsicht der Okkupanten stand. Nach dem misslungenen Krakauer Aufstand von 1846 wurde die Krakauer Republik zum Bestandteil der österreichischen Provinz Galizien. 1918, nach der Wiedergewinnung der Unabhängigkeit Polens, befand sich der Großteil des historischen Małopolska auf polnischem Territorium. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein bedeutender Teil der Region der Sowjetunion angeschlossen.

NATUR: GEWALTIGE BERGE UND KLEINE FELSEN

Das Landschaftsbild Małopolskas wird von seinen Gebirgszügen geprägt. Durch den südlichen Teil der Region verlaufen die Karpaten. Sie ziehen sich in einem weiten Bogen von der Gegend um Bratislava in der Slowakei durch Polen und die Ukraine bis nach Rumänien. Der polnische Abschnitt der Karpaten ist etwa 300 km lang und besteht aus den Westkarpaten (Karpaty Zachodnie), mit der Tatra, den Pieninen und Beskiden, und den Ostkarpaten, mit den Ostbeskiden (Bieszczady) im äußersten südöstlichen Zipfel des Landes.
Die hohen Gipfel der Westkarpaten locken die Touristen mit ihrer wunderschönen, wilden Natur. Die Region hat eine gute Verkehrsanbindung, ein großes Übernachtungsangebot und viele gut ausgeschilderte Wanderwege. Trotzdem kann man bei Wanderungen die Zivilisation weit hinter sich lassen. Es gibt keine Stände mit Hamburgern, keine Asphaltwege und keine eingezäunten Privatgrundstücke, sondern nur Holzhütten und gastfreundliche Herbergen. Ein Rucksack mit Verpflegung, gute Schuhe und ein wenig Mut garantieren eine Begegnung mit unberührter Natur.
Die Natur Małopolskas besteht jedoch nicht nur aus Gebirge.

Der Krakau-Tschenstochauer Jura: Höhlen und Fledermäuse

Die Kleinpolnische Hochebene (Wyżyna Małopolska) und insbesondere die dazu gehörende aus Kalkstein des Jura bestehende Krakau-Tschenstochauer Hochebene (Wyżyna Krakowsko-Czestochowska) weist besonders effektvolle Karstformen auf. Die interessantesten Regionen stehen in mehreren Nationalparks, Reservaten und Landschaftsparks. Es gibt hier zwei Nationalparks - den Ojcowski- und den Świętokrzyski-Nationalpark. Ein großes Gebiet des Krakau-Tschenstochauer Jura nimmt eine Reihe von Parks ein, in denen es viele Burgruinen aus der Regierungszeit von Kasimir dem Großen (Kazimierz Wielki, 14. Jh.) gibt. Am schönsten und bekanntesten sind die Ruinen in Ogrodzieniec, Mirów, Bobolice und die Burg in Olsztyn (11 km südöstlich von Tschenstochau). Im Sommer sind die Kalkfelsen des Jura ein beliebtes Ziel von Bergsteigern. Es gibt hier übrigens eine weltweite Rarität - die Błędow-Wüste (Pustynia Błędowska) Zwar wird sie langsam von der Pflanzenwelt erobert, aber - Wüste bleibt Wüste.

Der kleinste polnische Nationalpark ist der 1580 ha große Ojcowski-Nationalpark nahe Krakau im Tal des Flusses Pradnik. Er wurde am 14. Januar 1956 gegründet und steht trotz seiner geringen Größe unter den ersten 20 von 1200 Biosphärenreservaten, die von der Unesco erfasst wurden. Jährlich zählt er 350-400 000 Besucher. Es ist eine sehr reizvolle Landschaft. Die phantastischen Felsenformen tragen Namen aus Märchen und Mythen wie z. B. die 20 m hohe Herkules-Keule. Es gibt über 400 Höhlen und Schluchten, die bis zu 100 m tief sind. Man findet hier die Karst-Vaucluse-Quellen, eine einzigartige Pflanzenwelt sowie mittelalterliche Schlösser und Ruinen.

Góry Świętokrzyskie (Heiligkreuz-Berge): das älteste und das niedrigste Gebirge

Einen Teil der Kleinpolnischen Hochebene (Wyżyna Małopolska) bildet auch die Hochebene von Kielce und Sandomierz (Wyżyna Kielecko-Sandomierska) mit den Heiligkreuz-Bergen (Góry Świętokrzyskie), die zu den ältesten Gebirgszügen Europas zählen. Das nicht besonders hohe Gebirge (höchste Erhebung ist mit 612 m der Kahle Berg - Lysica), mit langen, sanften Bergrücken ist 650 Mio. Jahre alt. Die infolge der Verwitterung der Felsen unter niedriger Temperatur entstandenen, zahlreich auftretenden, unbewaldeten Bergrücken und Abhänge sind charakteristisch für diese Gebirgslandschaft. Die Heiligkreuz-Berge waren in der Vergangenheit vollkommen bewaldet. Heute gibt es hier nur noch die Reste zweier Urwälder - die Puszcza Jodłowa und die Puszcza Świętokrzyska. Typisch für diese Region sind Wälder, die sich über die Berghänge ziehen. Sie bestehen aus Tanne, Buche, Ahorn, Kiefer, Eiche, Lerche, Linde und Esche. Man findet auch Hainbuche, Bergulme, Eibe und Fichte. Hier wachsen sämtliche für das Tiefland typische Farn- und Bärlapparten. Die hiesigen Moorgebiete mit ihren Sumpfgewächsen wie Sonnentau und Orchideen stehen unter Naturschutz.
Zu den hier lebenden Tieren zählen Wildschwein, Fuchs, Hirsch, Reh, Damhirsch, Dachs, Biber, Wiesel, Marder und Eichhörnchen. Es gibt hier über 150 Vogelarten (u. a. Auerhahn und Birkhuhn). Die kostbarsten Gebiete der Region stehen unter Naturschutz im 1950 gegründeten, 7626 ha großen Świętokrzyski-Nationalpark. Hier kann man den Kahlen Berg (Lysa Góra) - einen legendären Hexen-Treffpunkt besuchen. Archäologische Forschungen haben gezeigt, dass sich hier vor Jahrhunderten ein Zentrum des heidnischen Kults befand, wo man den slawischen Naturgöttern Lada, Boda und Leli huldigte. Es gibt hier 66 Reservate mit 670 Naturdenkmälern.

Die Heiligkreuz-Berge sind von jüngeren, aus Kalkstein bestehenden Felsgebilden umgeben. Es gibt hier viele Höhlen und Grotten. Die unter Naturschutz stehende, berühmteste und landesweit schönste davon ist die Tropfsteinhöhle "Raj" (Paradies). Sie ist für Touristen zugänglich.

Karpaten: Wanderwege durch Wälder und über Almen

Die Tatra
Der höchste Gebirgszug der Karpaten wird von den Tieflandbewohnern als das "einzig echte" Gebirge in Polen betrachtet. Im Sommer werden die entferntesten Winkel der Tatra von Wandergruppen und einzelnen Touristen besucht. Im Winter ist die "Winterhauptstadt Polens" Zakopane ein Mekka für Skifahrer.
Das Angebot der Tatra ist sehr reich. Es ist das einzige polnische Gebirge, das mit den Alpen verglichen werden kann. Es gibt hier viele Wanderwege mit wunderschönen Aussichten. Um die Schönheit der Tatra bewundern zu können, muss man nicht unbedingt hohe Gipfel erklimmen, es genügt ein Spaziergang durch eines der herrlichen Täler: Chocholowska, Kościeliska, Strażyska oder Rybi Potok. Im Winter verwandeln sich viele Berghänge in Skipisten. Das am Fuße der Tatra gelegene Zakopane ist keine gewöhnliche Stadt, denn sie hat eine eigene Folklore mit Bräuchen, Tänzen, Liedern und Trachten. Die Bergbewohner unterscheiden sich auch durch ihren Dialekt und die originelle Architektur von dem Rest Polens. Die Tatra ist die höchste Gebirgsgruppe der gesamten Karpaten, die sich bogenartig vom Donaudurchbruch im Eisernen Tor bis zum Mährischen Tor zieht. Sie nimmt eine Fläche von 785 qkm ein, wovon zu Polen knapp 25 %, d. h. etwa 175 qkm gehören. Der höchste Gipfel der Tatra - Gerlach (2655 m) - befindet sich in der Slowakei. Der höchste Gipfel in Polen liegt an der Grenze zur Slowakei (Rysy; 2499 m). Der höchste, "ganz" zu Polen gehörende Berg ist der Kozi Wierch (2291 m).
Die polnische Tatra besteht aus der Hohen und aus der Westlichen Tatra. In der Hohen Tatra gibt es die meisten (eiszeitlichen) Wasserbecken und in der Westlichen die schönsten Höhlen. Die Hohe Tatra gehört den Mutigen. Ihre steilen Hänge, scharfen Grate und Abgründe sind ebenso schön wie heimtückisch. Die Westliche Tatra ist weniger gefährlich. Sie hat größere Flächen und ist pflanzenreicher.

In der Tatra gibt es viele Wasserfälle. Die bekanntesten und schönsten im polnischen Teil heißen Wodogrzmoty Mickiewicza und Wielka Siklawa. Sie bieten besonders im Frühling bei Sonnenaufgang einen wunderbaren Anblick. Es gibt 43 postglazialen Seen mit smaragdblauem Wasser und einer Gesamtoberfläche von 160 ha. Die meisten von ihnen liegen in der Hohen Tatra, höher als 1600 m. Am größten und am schönsten, sowie am leichtesten zu erreichen ist das Meeresauge (Morskie Oko, 1393 m.
Die Tatra hat die reichste Pflanzenwelt der Karpaten. Allein in der Polnischen Tatra gibt es über 1000 Arten von Gefäßpflanzen, wovon 250 zur Gebirgs- bzw. zur Hochgebirgsflora gehören. Charakteristisch sind die Vegetationszonen. Über dem Vorgebirgsland liegen zwei Waldstufen - der untere Hochwald (hauptsächlich Buche und Tanne) und der obere Hochwald (hauptsächlich Fichte, Zirbelkiefer und Karpatenbirke). Bei 1500 m hört der Wald auf - höhere Partien sind nur mit niedrigen Zwergkiefern bewachsen, die die Erosion verhindern. Ab 1800 m beginnen die Almen, auf denen noch vor einigen Jahren Schafe weideten. Ab 2300 m sind die Berge kahl. Auf den nackten Felsen wachsen nur Pflanzen, die den rohen Witterungsverhältnissen auf dieser Höhe widerstehen können.
Es gibt einige Pflanzenarten, die immer mit der Tatra in Verbindung gebracht werden - das kleine, filzige Edelweiß, die stengellose Silberdistel (die hier gern zur Dekoration verwendet werden) und die violetten Krokusse, von denen es gleich nach der Schneeschmelze riesengroße Blütenteppiche gibt. Die schönen Zirbelkiefern wachsen hauptsächlich am Meeresauge und in der Umgebung des Roztoka-Tals.
In der Tatra leben viele Tiere. In den Wäldern findet man Hirsche (etwa 300), Rehe, Wildschweine, Wölfe, Füchse, Luchse und Wildkatzen. Der ehrwürdigste Bewohner des Hochwaldes ist der Braunbär, der während seiner Wanderungen sogar die hohen Gebirgspässe erreicht. Gegenwärtig leben auf der polnischen Seite etwa zwölf von insgesamt 60 Braunbären.
Zu den seltenen Vogelarten gehört der Steinadler, von dem in der gesamten Tatra nur noch einige Paare leben. Auch die Zahl der Krähen wird immer kleiner. In der Tatra wurden im Jahr 2000 etwa 80 Gämsen gezählt. Sie sind relativ leicht zu beobachten. Übrigens sind sie das Symbol des Tatra-Nationalparks. Um einem Murmeltier zu begegnen, muss man viel Glück und Geduld haben. Man bekommt es häufiger zu hören als zu sehen, da dieses ängstliche Tier bei geringster Gefahr seine Verwandtschaft mit einem schrillen Pfiff warnt, dessen Hall aus großer Entfernung zu hören ist.
Zum Schutz der Tatra wurde 1955 der 21 400 ha große Tatra-Nationalpark gegründet.

Die Beskiden (Beskidy)
Die Beskiden machen den größten Teil der polnischen Karpaten aus. Sie sind in West- und Ostbeskiden unterteilt. Die Westbeskiden (Beskidy Zachodnie) bestehen aus acht Gebirgsgruppen. In Małopolska liegen u. a. die Gebirgszüge Beskid Mały, Żywiecki, Wyspowy, Sadecki und Gorce. Die kuppelförmigen Berge der Beskiden mit sanften, dicht bewaldeten Hängen sind ideal für lange, ruhige Wanderungen. Es gibt viele Wanderwege sowie Dörfer und Städtchen, die am Fuße des Gebirges liegen.
Die Kleinen Beskiden (Beskid Maly) sind eine niedrige Bergkette, die sich von Bielsko-Biała bis zum Flusstal der Skawa zieht. Beskid Zywiecki bilden die südliche Grenze. Und die westlichen Hänge führen direkt in Orte wie Kęty, Andrychów und Wadowice (Geburtsstadt von Papst Johannes Paul II.). Die Bergrücken sind durch tiefe Täler voneinander getrennt und größtenteils bewaldet. Es gibt hier jedoch auch einige sehr schöne Lichtungen mit wunderschönen Aussichten. Die Berge mit ihren sanften Hängen sind nicht höher als 950 m.
Das Gebirge Beskid Żywiecki ist nach der Tatra die zweithöchste Erhebung der polnischen Karpaten und liegt zwischen dem oberen Lauf der Flüsse Sola und Skawa. Der höchste Gipfel ist der Weiberberg (Babia Góra), der mit 1725 m der höchste Berg der polnischen Beskiden ist. Die Landschaft steht unter dem Schutz des Babia Góra-Nationalparks (1955 gegründet; 3392 ha), der 1977 als einer der ersten Gebirgsnationalparks als Biosphärenreservat von der Unesco erfasst wurde.
Die Inselbeskiden (Beskid Wyspowy) liegen zwischen dem mittleren Teil des Tales vom Fluss Raba und dem Dunajec-Tal. Seine Bezeichnung ist auf den atypischen geomorphologischen Aufbau zurückzuführen. Es gibt hier wenige Bergketten, dafür zahlreiche alleinstehende Berge mit steilen Hängen und flachen Gipfeln. Der höchste - Mogielica - ist 1171 m. Das Gebirge ist zu jeder Jahreszeit schön, besonders im Herbst, wenn die dunklen Inseln der Gipfel aus dem Nebelmeer herausragen. Die Bevölkerung setzt sich aus Vertretern unterschiedlicher ethnischer Gruppen zusammen, die sorgsam ihre uralten Traditionen und ihre Folklore pflegen.
Das Gebirge Beskid Sadecki liegt zwischen dem Dunajec-Tal und den Gebirgszügen Gorce und Beskid Wyspowy. Im Osten grenzt er an das Gebirge Beskid Niski, im Süden an die Pieninen und die Slowakei. Die Beskiden werden durch das malerisch gelegene Flusstal des Poprad Beskid geteilt, das zum Poprad-Landschaftspark gehört. Die Berge sind bewaldet und nicht besonders hoch. Nur der Radziejowa ragt mit seinen 1262 m heraus. Im Westen des Gebirges Beskid Sadecki liegen zwei historische Städte - Nowy Sącz und Stary Sącz. Nowy Sącz (Neu Sandez) liegt an einem steilen Hang, wo sich die Flüsse Kamienica und Dunajec vereinigen. Es hat eine mittelalterliche Stadtanlage und einen großen Marktplatz, in dessen Mitte ein Rathaus vom Ende des 19. Jh. steht. Von der Schlossruine hat man eine schöne Aussicht auf den Dunajec und die Inselbeskiden. Stary Sącz ist reich an historischen Gebäuden, an denen man sich in der Kutsche vorbeifahren lassen kann. In der Gegend gibt es auch einige landesweit bekannte Kurorte mit Mineralquellen, wie Krynica, Żegięstow, Piwniczna und Muszyna. Die umliegenden Dörfer bewohnte einst der Volksstamm der Lemken. Sie hinterließen sehr schöne hölzerne und gemauerte Kirchen. Über den Baustil der Lemken informiert ein Freilichtmuseum, in dem es Bauernhütten und Wirtschaftsgebäude sowie Kirchen gibt.

Gorce
Die Gebirgsgruppe Gorce ist Teil der Westbeskiden. Sie liegt zwischen den Flüssen Raba und Dunajec, im Norden grenzt sie an die Inselbeskiden (Beskid Wyspowy) und im Süden an das Tatra-Vorland (Podhale). Von oben betrachtet erinnert sie an einen Tintenfisch - diese charakteristische Anlage von Erhebungen, die von einem Punkt ausgehenden gewundenen Hörnern gleicht, wird auch als Seestern bezeichnet.
Die leicht zu erklimmenden, rundlichen, flachen und dadurch touristenfreundlichen Gipfel (die höchste Erhebung - Turbacz ist 1310 m hoch) sind nicht das einzige, was diese Berge zu bieten haben. Es gibt hier zwar keine hohen Felsen, Gebirgsseen und tiefen Schluchten, trotzdem besitzen die Gorce das gewisse Etwas, das Bewunderung erweckt und jeden, der einmal hier gewesen ist, immer wieder herlockt. Mit Sicherheit ist es eine phantastische Landschaft - lange, vereinzelte Bergrücken sind durch tiefe und wilde Täler voneinander getrennt, mit Karpatenbuchen- und Fichtenwäldern bewachsen, deren weite Flächen große Almen und reizvolle Lichtungen durchbrechen. Diese malerischen Wiesen und Lichtungen sind ganz typisch für diese Gegend. Hier und da stehen alte Holzhütten, denn einst wurden hier massenweise Schafe geweidet.
1981 wurde der 7020 ha große Gorce-Nationalpark gegründet. Er ist eine Oase der Stille. Es gibt ein dichtes Netz an Wanderwegen, einige Herbergen und Zeltplätze, und man findet ohne weiteres stille, reizvolle Eckchen.
In den ausgedehnten Wäldern, die vorwiegend aus Tanne, Buche und Fichte bestehen, und auf den Lichtungen findet man viele Blumen- und Kräuterarten, u. a. Krokusse, Türkenbund, Schneeglöckchen, Stengellose Silberdistel und Orchideen. Im Sommer wachsen im Unterholz viele Heidelbeeren und Himbeeren. Die Tierwelt der Gorce ist sehr artenreich. Hier leben Rehe, Hirsche, Wildschweine, Hasen und Luchse. Es gibt etwa 100 Vogelarten, darunter große Raubvögel wie Habicht, Mäusebussard, Falke, Auerhahn, Birkhahn, Roter Hühnergeier und Schwalbenstößer (Sperber). Zurückgekehrt sind auch die selten vorkommenden (in Paaren lebenden) Krähen. Der seltene und unter Schutz stehende Salamander ist das Symbol des Nationalparks von Gorce.

Pieninen (Pieniny)
Die Pieninen ziehen bereits seit dem 13. Jh. Touristen an. Schon damals wussten die politischen und kulturellen Eliten aus Polen und aus dem Ausland diese wunderschöne Landschaft zu schätzen. Heute wird dieses Gebirge jährlich von 400 000 Touristen besucht.
Die zu den Westkarpaten gehörenden Pieninen sind ein verhältnismäßig kleines, aber hinsichtlich der Landschaft, der Natur und des Tourismus sehr attraktives Bergland. Die Natur hat hier wahre Wunder vollbracht. Sie schuf vor Millionen Jahren herrliche Kalkfelsen, die trotz ihrer geringeren Höhe beeindruckend groß wirken. Ihre Gipfel ragen senkrecht über die bewaldeten Hänge hinaus, zwischen denen sich der Gebirgsfluss Dunajec in einer tiefen Schlucht wild entlang schlängelt.
Der kostbaren Natur wegen wurde hier 1932 der Pieninen-Nationalpark (Pieninski Park Narodowy) gegründet. Hinsichtlich seiner Größe (2346 ha) gehört er zwar zu den kleinsten, hinsichtlich des Angebots an Attraktionen zählt er jedoch zu den interessantesten Nationalparks in Polen. Wanderwege und zahlreiche Aussichtspunkte ermöglichen auch während eines kurzen Aufenthalts, viele Besonderheiten der Natur kennen zu lernen. Geringe Höhenunterschiede (höchster Gipfel - Wysoka - 1050 m) machen den Pieninen-Nationalpark für jeden Touristen zugänglich. Der Park hat seine Fortsetzung in der Slowakei. Dort stehen 3750 ha unter Naturschutz.

Die Pflanzenwelt der Pieninen ist sehr reichhaltig. Die steilen Hänge sind mit Tannen- und Buchenwäldern bewachsen, dazwischen stehen Ahorn und Ulme. Für die Landschaft der Pieninen sind die in Grüppchen auf Felsgipfeln wachsenden Kiefern charakteristisch. Die Eibe kommt nur noch vereinzelt vor.
Man findet hier ausgedehnte Wiesen, die beim Abroden von Wäldern für landwirtschaftliche Zwecke entstanden sind. Seitdem sie nicht mehr regelmäßig von Schafen abgefressen werden, wachsen hier verstärkt Bäume. Auf den üppigen Wiesen der Pieninen wurden 3000 Pflanzenarten gezählt. Zu den Besonderheiten gehören endemische Pflanzen, wie der Pieninen-Löwenzahn und der Pieninen-Schöterich, sowie botanische Raritäten wie die Zawadzki-Lilie, die hier häufig zu finden ist. Ihr nächster Standort befindet sich im Ural.
Im Pieninen-Nationalpark leben 150 Vogel- und 250 Tierarten. Man findet hier: Luchs, Wildkatze, Hirsch und Fuchs. Der Stolz des Parks aber sind seine Insekten - insbesondere die Schmetterlinge, die hier mit 1600 Arten vertreten sind.
Für unvergessliche Eindrücke sorgt ein Ausflug zu den Drei Kronen (Trzy Korony, 982 m), den Gipfeln von Sokola Perc und Sokolica (747 m), sowie in die Kleinen Pieninen (Male Pieniny). Besonders schön ist die Landschaft im Herbst, wenn sich die Bäume unterschiedlich färben und die Luft klarer wird, besonders schön. Hier, am wunderschönen Durchbruch des Flusses Dunajec kann man an einer faszinierenden Floßfahrt teilnehmen. Seit 150 Jahren werden die Touristen von Flößern in schmalen, hölzernen Kähnen, die jeweils zu fünft zu einem Floß miteinander verbunden werden, durch eine eindrucksvolle Wasserstraße mitten durch das Herz dieses Gebirges befördert. Der Fluss macht auf 15 km Länge drei riesige Schleifen in einer schmalen Schlucht zwischen monumentalen Berghängen.
Die Schönheit der Landschaft in den Pieninen bestimmt nicht allein die Natur. Es gibt auch viele kleine, wunderschöne Städtchen. Die größte und reizvollste ist Szczawnica, ein landesweit bekannter Kurort mit zahlreichen Mineralquellen, deren heilende Eigenschaften bereits im 16. Jh. bekannt waren. Damit behandelt man Erkrankungen der Atemwege und des Verdauungssystems sowie Allergien. Besuchenswert sind ebenfalls Czorsztyn und Niedzica am Ufer des Stausees von Czorsztyn, der sehr malerisch gelegen ist. In Czorsztyn befinden sich die imposanten Ruinen eines Königsschlosses aus dem 14. Jh. Die felsige Einöde und die Ruinen sind Bestandteil eines Landschaftsreservats. Über dem 1996 in Niedzica, am Fluss Dunajec errichteten Staudamm (Wasserkraftwerk) steht eine wunderschöne Burg aus dem 14. Jh., die im Stil der Renaissance umgebaut wurde. Sie gilt als eine der kostbarsten Festungen Polens.

AUSFLUGSZIELE: UNTERHALTUNG UND BESINNUNG

Krakau: Kultur und Cafés

Krakau hat eine tausendjährige Tradition und war einige Jahrhunderte Polens Hauptstadt. Seinen Reiz bestimmen alte, ruhige Pflasterstrassen, unzählige Sehenswürdigkeiten, herrliche Museen und Gasthäuser sowie gemütliche Kneipen und Cafés. Krakau gehört den Studenten, von denen es an zwölf Hochschulen 100 000 gibt.
Krakau ist im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört worden. Die historische Bebauung ist in ihrer Gesamtheit erhalten geblieben. Die kleine St. Adalbertskirche auf dem Hauptmarkt und die Andreaskirche in der Grodzka-Straße stammen aus dem frühen Mittelalter, 10.-11. Jhauths/106/files Die Stadt hat zwei große Attraktionen: den Wawel-Hügel mit dem riesigen Schloss, dem einstigen Sitz der polnischen Könige, und den Hauptmarkt. Er ist das mit historischen Gebäuden umgebene Herz der Stadt, wo sich das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Krakauer konzentriert. Der Wawel und die Krakauer Altstadt wurden auf die erste, 1978 zusammengestellte Liste des Weltkulturerbes der UNESCO gesetzt. Diese bedeutende Auszeichnung erhielten damals weltweit nur zwölf Objekte.

Auf dem am Weichselufer gelegenen Wawel-Hügel haben sich seit jeher Menschen angesiedelt. Bereits 50 000 v. Chr. campierten hier Mammutjäger. Das Königsschloss und die dazugehörige Kathedrale wurden mehrmals umgebaut und sind eine Mischung der Baustile: Romanik, Gotik und Renaissance. Ein Meisterwerk der Renaissance ist die Sigismund-Kapelle. Es lohnt sich auch, auf den Sigismund-Turm zu steigen, wo sich die zweitgrößte polnische Glocke befindet, die 1520 auf Kosten des Königs Zygmunt I. Stary (des Älteren) aus Kanonen gegossen wurde. Die Glocke ertönt nur an wichtigen staatlichen Feiertagen. Um sie zu bewegen, werden 10 Männer gebraucht (sie wiegt 12,7 Tonnen) und ihr Klang ist noch in 12 km Entfernung zu hören. Am Heiligen Abend des Jahres 2000 ist der Schlägel der Sigismund-Glocke gesprungen, was viele für ein böses Omen hielten. Innerhalb weniger Monate wurde ein neuer, 300 kg schwerer Glockenschlägel gegossen und angebracht. Die größte Glocke Polens hängt übrigens im Sanktuarium der Marianer in Lichen in der Region Kujawy.
Beim Schlendern über den Wawel kann man, wie nirgendwo anders in Krakau, den Hauch der Geschichte spüren. In seinen Grüften befinden sich die Gebeine von polnischen Königen und andern berühmten Polen, z. B. von Tadeusz Kościuszko, Józef Piłsudski und Władysław Sikorski. Öffentlich zugänglich sind auch die königlichen Gemächer sowie die Schatz- und Waffenkammern. Auf dem Wawel kann man die weltweit größte und wertvollste Sammlung riesiger Gobelins aus der Renaissance bewundern.

Der Hauptmarkt (Rynek Główny) ist mit 200 x 200 m der größte mittelalterliche Platz Europas. Er ist zu jeder Jahres- und Tageszeit wunderschön. So wie vor Jahrhunderten konzentriert sich hier das Leben der Stadt. Der Markt ist ein wahrhaftiger "Salon" der Kultur, des Handels und der Touristen. Fast kein Haus ist hier nur Wohngebäude - fast in jedem gibt es Cafés, Restaurants, Pubs, Galerien, Museen und Geschäfte. Blumenfrauen bieten wie vor Jahrhunderten bunte Sträuße an und Straßenmusikanten bitten um ein paar Groschen. Im Sommer gibt es viele Maler und Leute, die Brezeln, Andenken und alles mögliche Verkaufen. Touristen, Studenten und Unmengen an Tauben findet man hier zu jeder Jahreszeit.
Die bekanntesten Bauten des Hauptmarkts sind die Marienkirche und die Tuchhallen. Die Kirche, eine gotische Basilika, die zwischen dem 13. und 15. Jh. entstand, birgt in ihrem Inneren einen wahren Schatz - den größten und einen der europaweit schönsten mittelalterlichen Altäre von Veit Stoß. Der Altar ist 13 m hoch und 11 m breit. Er besteht aus 200 geschnitzten Figuren, die 3-300 cm groß sind. Der Meister arbeitete 12 Jahre daran. Vom höheren Turm der Kirche erklingt in alle vier Himmelsrichtungen stündlich das berühmte Trompetenlied.
Die 108 m langen Tuchhallen stehen mitten auf dem Markt. Seit dem 13. Jh. waren sie vor allem ein Handelszentrum und sie sind es bis heute geblieben. In ihrem Inneren, wo es immer voll und laut ist, befindet sich beiderseits je eine Reihe von Ständen mit Andenken, Handwerkserzeugnissen und Schmuck aus Silber und Bernstein. Außer den Tuchhallen sind auf dem Hauptmarkt die kleine St. Adalbertskirche aus dem 11. Jh. und der Rathausturm erhalten geblieben. Das Rathaus, der mittelalterliche Sitz der Stadtherren, wurde wegen großer Bauschäden Anfang des 19. Jh. abgetragen. Es sind die einzigen Gebäude, die noch auf dem einst dicht bebauten Platz stehen.
Die Krakauer Altstadt ist nicht nur ein großes Museum, sondern auch eine Vergnügungsoase. Dafür muss man oft unter die Erde steigen. In den Kellern der historischen Gebäude befinden sich über 100 Cafés, Restaurants und Pubs. Die Krakauer Gasthäuser, von denen jedes eine einzigartige Ausstattung und Atmosphäre hat, sind landesweit berühmt. Deswegen wird Krakau an den Wochenenden von Menschen aus ganz Polen besucht. Im Sommer ziehen die Cafés und Pubs nach draußen und umgeben den Markt mit einem dichten Ring farbiger, lebensfroher Sommergärten.
Es gibt in Krakau noch einen faszinierenden Ort. Es ist der jüdische Stadtteil Kazimierz, der 1335 vom König Kazimierz Wielki (dem Großen) gegründete wurde und einst eine eigenständige Stadt war. Heute gehört Kazimierz zu Krakau, hat jedoch einen eigenen Charakter. Es gibt hier Synagogen (die älteste stammt aus dem 15. Jh.), schmale Straßen, kleine Häuser und einen schönen, einzigartigen jüdischen Friedhof aus dem 16. Jh. Die Juden wurden hier von den Deutschen im Zweiten Weltkrieg ausgesiedelt. Ein Spaziergang durch das Labyrinth schmaler Gassen wird zu einem ungewöhnlichen Erlebnis. Es gibt hier Orte, an denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Derweil verstecken sich hinter den Fassaden exklusive Hotels, Restaurants mit jüdischer Küche und gemütliche Minikneipen.

Wieliczka: Kronleuchter aus Salz

Manche Touristen kommen nur wegen des Salzbergwerkes in Wieliczka nach Polen. Die berühmteste Salzgrube der Welt ist einer der wenigen Orte Polens, der auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO (1978) steht und als Denkmal der Geschichte anerkannt wurde (1994).
Die Geschichte der Salzgewinnung in Wieliczka reicht weit zurück. Archäologische Funde bestätigen, dass hier bereits 3000 Jahre v. Chr. natürliche Solequellen existierten. Mit den Benediktinern kam eine weiter entwickelte Technik nach Wieliczka. Sie gruben die ersten Schächte - der älteste stammt von 1280. Die heutige Salzgrube ist ein Labyrinth unterirdischer Gänge und Kammern, mit einer Länge von 350 km. Zwei Kilometer sind zur Besichtigung freigegeben. Jährlich kommen 700 000 Besucher hier her. Die unterirdische Route führt durch drei Ebenen (64 bis 135 m tief), in denen sich 20 historische Kammern befinden. Insgesamt gibt es neun Ebenen, die tiefste liegt 342 m tief. Besichtigt werden u. a. Kammern, in denen einst Salz gefördert wurde, unterirdische Seen und einzigartige Kapellen mit Salzskulpturen und Flachreliefs. In 101 m Tief liegt die Kinga-Kapelle mit wunderschönen Skulpturen und Kronleuchtern. Die Kapelle ist 54,5 m lang, 10-18 m breit und 10-12 m hoch und sollte eigentlich als eine unterirdische Salzkirche bezeichnet werden.
Auf der dritten Ebene (135 m) befindet sich das Museum des Salzbergwerks. Es soll das weltweit größte Bergbaumuseum sein. Die Ausstellung umfasst 3000 Exponate, darunter alte Werkzeuge und Sammlungen von Mineralen und Volkskunst-Gegenständen.
Da die hiesige Luft heilende Eigenschaften aufweist, wurde auf der 5. Ebene (211 m unter der Erde) ein Sanatorium eingerichtet, in dem verschiedene Allergien und Asthma behandelt werden.

Tschenstochau (Częstochowa): die Schwarze Madonna

Tschenstochau an der Warthe (Warta) ist Polens religiöses Zentrum, weil sich hier auf dem Hellen Berg (Jasna Góra) das Paulinerkloster befindet. In der Kapelle der Muttergottes von Tschenstochau aus dem 15. Jh. gibt es im Hauptaltar das in Polen am meisten verehrte Bild Marias mit dem Jesuskind, das jährlich von 4 Mio. Touristen besucht wird.

Das Ziel der Pilger, das Bildnis der Schwarzen Madonna, ist hinter einem Vorhang aus silbernem Blech (von 1673) verborgen, der nur zweimal am Tag geöffnet wird. Es hat sieben, reich mit Gold, Silber und Edelsteinen verzierte "Kleider", mit denen es abwechselnd umhüllt wird. Der Volksmund sagt, dass das Marienbildnis vom Hl. Lukas dem Verkünder stamme und auf einem Brett vom Tisch aus dem Hause der Heiligen Familie gemalt worden sei. Die Schrammen auf der Wange Marias sollen Wunden sein, die ihr 1430 bei einem Überfall auf das Kloster auf dem Hellen Berg mit einem Schwert zugefügt wurden. In Wirklichkeit ist dieses berühmte, wundertätige Bild eine byzantinische Ikone aus dem 6.-8. Jh., die über Ruthenien nach Polen gelangte. Das Werk, das wir heute auf dem Hellen Berg besichtigen können, ist nur eine Kopie, da das Original zerstört wurde. Sie entstand nach 1430 und die zwei Schrammen hat der Künstler auf Marias Gesicht gemalt, um an die Zerstörung des Originals zu erinnern.
An den Wänden der Kapelle befinden sich zahlreiche Votivgaben der Pilger. Gehbehinderte, die dank der wundertätigen Eigenschaften des Bildnisses geheilt wurden, haben hier ihre Krücken stehen lassen. Die kostbarsten Votivgaben befinden sich in der Schatzkammer. Die Besichtigung der Kostbarkeiten, darunter Schenkungen der polnischen Könige, dauert mehrere Stunden. Die ältesten Votivgaben stammen aus dem 14. Jh. Viele von ihnen gelten als Kunstwerke.

Auschwitz (Oświęcim): Vernichtungslager

Das Konzentrationslager wurde 1940 von den Nationalsozialisten am Rande der Stadt gegründet, die, ähnlich wie ganz Polen während des Zweiten Weltkrieges von den Deutschen okkupiert wurde. Kurz darauf wurde das Lager ausgebaut und um ein großes neues Lager im nahegelegenen Birkenau (Brzezinka) erweitert.
1947 wurde auf dem Gelände zweier erhaltener Teile des Konzentrationslagers: Auschwitz I und Auschwitz II-Birkenau das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau gegründet. 1979 wurden beide Orte auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO gesetzt.

Beim Betreten des Museums des Vernichtungslagers Auschwitz passiert der Besucher das in vielen Filmen und auf vielen Fotografien verewigte Tor mit der Aufschrift ,,Arbeit macht frei". Dahinter stehen mehrere Ziegelbauten, in denen die Häftlinge in unwürdigen Verhältnissen untergebracht waren. Einen erschütternden Eindruck hinterlassen die Ausstellungen in den Gefängnisblocks. Hier werden Gegenstände gezeigt, die den Häftlingen und den Ermordeten geraubt worden sind, darunter auch Spielsachen. Man sieht die Todeswand, die Räume, in denen Menschen mit Zyklon B vergiftet wurden, und die Todeszelle des heilig gesprochenen Maximilian Maria Kolbe, der für einen Mithäftling sein Leben opferte.
Ein Besuch im benachbarten Birkenau ist noch bedrückender. Hier befand sich das größte Konzentrationslager: fast 300 von den Häftlingen erbaute Baracken aus rohem Holz beherbergten bis zu 100 000 Personen auf einmal. Hier entstanden die meisten Vorrichtungen zur Massenvernichtung (4 Gaskammern und 4 Krematorien). Dieser Ort bedarf keiner Expositionen. Man war bemüht, den ursprünglichen Zustand dieses Lagers aufrechtzuerhalten, um auf diese Weise das Klima der menschlichen Demütigung und die unmessbare Dimension des Verbrechens wiederzugeben.

Zakopane: das Tor zur Tatra

Zakopane ist ein gut ausgebauter Kurort, die Hauptstadt der Tatra und des Tatra-Vorlands und die am höchsten liegende Ortschaft Polens (730-1000 m) mit Alpencharakter. Zakopane war bereits am Anfang des 20. Jh. ein beliebter Kurort und so blieb es bis heute. Es galt als "schick" hierher zu kommen, um dann damit prahlen zu können. Seit dem Ende des 19. Jh. war Zakopane ein Treffpunkt der polnischen Boheme: Dichter, Schriftsteller, Maler und Bildhauer. Sie trugen zu der außergewöhnlichen Atmosphäre dieser Stadt bei. Eine Erinnerung an diese Zeit sind die Straßennamen, die schönen, einst von bekannten Künstlern entworfenen und bewohnten Villen und die Bilder und Skulpturen in zahlreichen Galerien.
Heute gehört ein Besuch in Zakopane auch zum guten Ton, ähnlich wie in Sankt Moritz, in den Alpen. Einen Gegensatz zur versnobten Atmosphäre bilden jene Touristen, die die Stadt wie vor hundert Jahren mit dem Rucksack durchqueren, um die höchsten Tatra-Gipfel zu erklimmen.
Zakopane hat heute 30 000 Einwohner, von denen 5000 Nachkommen der einstigen, hier bereits im 19. Jh. ansässigen Bergbewohner sind. Die Bergvolk-Exotik dieser Ortschaft ist faszinierend. Es ist eine merkwürdige Stadt: außer ein Paar Reihen niedriger Häuser, meistens vom Anfang des 20. Jh., stehen hier Villen, Pensionen, Einfamilienhäuser und Holzhütten. Viele von ihnen sind wunderschön. Seit dem 19. Jh. träumten reiche Städter davon, eine reichverzierte Holzhütte im Zakopane-Stil mit einem abfallenden Dach und einer Veranda zu besitzen. Die hiesigen Bauleute sind nicht nur in ganz Polen gefragt, sie sind auch in den USA geschätzte Fachleute.
Beim Spaziergang durch Zakopanes ruhige Seitenstraßen gewinnt man leicht den Eindruck, in einem gut geführten Freilichtmuseum zu sein.
Die Hauptstrasse heißt Krupówki - es ist zugleich eine der berühmtesten Promenaden Polens, mit zahlreichen Restaurants, Cafés und Pubs. An den Ständen werden Andenken und oscypki angeboten - wohlschmeckende kleine Käsestücke aus Schafsmilch. Das ganze Jahr über begegnet man hier einer farbenfrohen, vielsprachigen Menschenmenge. Wegen der Lage und der Bebauung der Stadt ist das Gebirge nicht von überall zu sehen - manchmal ist es vollkommen verdeckt. Am hervorstechendsten ist der Berg Giewont.

Wenn der Besucher nach Zakopane kommt, kann er ohne größere Strapazen in die Berge gelangen. Dies ermöglichen zwei Bahnen, die das ganze Jahr über in Betrieb sind - die Schienenseilbahn auf den Berg Gubałówka (1120 m) und die Seilbahn auf den Kasprowy Wierch (1987 m). Um sich vom Stadtlärm zu erholen und frische Luft zu schnappen, reicht es, einige Kilometer weit zu fahren - egal in welche Richtung. Um die Stadt herum liegen viele kleine Dörfer, die zum Tatra-Vorland (Podhale) gehören - einer historisch-geographischen Landschaft zwischen der Tatra, Gorce, Spisz und Orawa. Diese an Bächen, Flüssen und Berghängen gelegenen Dörfer und Städtchen werden von vielen Menschen als Ort der Erholung gewählt. Das Übernachtungsangebot ist, ähnlich wie in Zakopane, auch hier sehr breit gefächert. In den Dörfern der Tatra wird die alte Folklore gepflegt - an Sonntagsvormittagen ziehen die Einwohner ihre Volkstrachten an und eilen zur Messe in alte Holzkirchen. In den Wirtshäusern kann man den hiesigen Dialekt und wunderschöne regionale Musik hören.

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