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Kirchen und Religionsgemeinschaften

In Polen gibt es gegenwärtig 138 offiziell registrierte Kirchen und Glaubensgemeinschaften.
Von allen Gläubigen gehören 95 % der katholischen Kirche an. Unter den vier Glaubensrichtungen byzantinisch-ukrainisch, neounitisch, armenisch und römisch-katholisch hat die letzte die meisten Anhänger: 1998 waren es über 35 Mio. in 9990 Gemeinden mit 28 000 Geistlichen.
Kraft der Bulle von Papst Johannes Paul II. wurde Polen 1996 in 40 Diözesen, 13 römisch-katholische Bistümer und ein byzantinisch-ukrainisches Bistum geteilt. Die Kirchengewalt in den Diözesen üben Bischöfe aus, die gemeinsam das Episkopat bilden. Der Vorsitzende des Episkopats ist seit 1981 der polnische Primas Kardinal Józef Glemp. Wie auch im Ausland wirken in Polen zahlreiche karitativen Organisationen und Seelsorger (z. B. die polnischen katholischen Missionen, die vor allem in Entwicklungsländern agieren), Katechesen (in denen u. a. der Religionsunterricht für Schulen organisiert wird) sowie einige Klosterorden für Männer bzw. Frauen. Dazu gehören Franziskaner, Jesuiten, Dominikaner, Salesianer, Redemptoristen, Graue Schwestern und die Barmherzigen Schwestern.
Neben der katholischen Kirche gibt es in Polen weitere christliche Kirchen sowie viele kleinere Kirchen und Religionsgemeinschaften.
Die polnische orthodoxe Ostkirche ist die zweitgrößte offizielle Glaubensgemeinschaft. Sie zählt 550 000 Gläubige und 320 Geistliche. Die Gläubigen sind vor allem Vertreter der belarussischen Minderheit in Ostpolen.
Die drittgrößte Christengemeinschaft wird von Protestanten gebildet. Die evangelisch-augsburgische Kirche zählt über 85 000 Gläubige (darunter viele Deutschstämmige), die Pfingstbewegung 17 000 und die Siebenten Tag Adventisten (STA) 10 000. Andere protestantische Glaubensrichtungen vereinen nicht mehr als jeweils 5000-6000 Gläubige.
In Polen sind auch altkatholische Kirchen tätig, die mit der römisch-katholischen Kirche nicht verbunden sind. Es sind dies die Altkatholische Mariavitenkirche, die Polnisch-katholische Kirche, und die Katholische Mariavitenkirche. Alle drei zusammen zählen 50 000 Gläubige.
Die Zeugen Jehovas haben 130 000 Anhänger.
Weitere religiöse Gruppierungen in Polen: die Moslemische Vereinigung (Islam), die Vereinigung der Jüdischen Gemeinden (Judentum) und die karaimische religiöse Vereinigung. Die letztgenannte Religion ist aus der Verbindung des Judentums mit dem Islam hervorgegangen. Ihre Gläubigen sind Vertreter der türkischen Minderheit. Eine relativ große Gruppe von Gemeinschaften knüpft an östliche Religionen an, z. B. die Internationale Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein (ISKCON) und die Buddhisten.

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Die polnische Religiosität findet ihren Ausdruck in der Ausübung traditioneller Praktiken und Rituale wie Pilgerfahrten zu heiligen Stätten, liturgische Prozessionen (z. B. zu Fronleichnam), Exerzitien während der Advents- und Fastenzeit sowie Kirchweihen. Eine besondere Rolle erfüllt der Kult der Muttergottes, von der insbesondere das Bild der Schwarzen Madonna in Częstochowa (Tschenstochau) sowie das der leidenden Gottesmutter in Lichen verehrt werden. Der Kult wird nach wie vor in vielen, kleineren Marienheiligtümern in ganz Polen lebendig gehalten.
Die polnische Religiosität hat 1978 nach der Wahl von Karol Wojtyła, dem Krakauer Erzbischof, zum Papst eine ganz neue Dimension gewonnen. Der polnische Papst, der den Namen Johannes Paul II. annahm, hat die katholische Kirche stark revolutioniert, indem er sie für die aktuellen Weltprobleme sensibilisierte. In Polen genießt er besonders hohes Ansehen und seine Tätigkeit wird im Kontext bedeutender sozial-politischer Umwälzungen gesehen, die in den 80er Jahren stattfanden. Der Papst ist und bleibt eine unumstrittene moralische Instanz – und dies nicht nur für alle gläubigen Polen.
Die polnische katholische Kirche ist eine Institution, die mit der polnischen Unabhängigkeit eng verknüpft ist. Das erste bedeutende Datum in der Geschichte des polnischen Staates ist das Jahr 966, als der Polaner-Fürst Mieszko I. die Taufe empfing. Der Aufbau staatlicher Strukturen ging einher mit der Verbreitung des Christentums sowie der Bildung einer kirchlichen Verwaltung auf polnischem Gebiet. Seit Mieszkos Taufe förderte die Kirche die Einheit des polnischen Staates und seine Unabhängigkeit, was in den Zeiten, als Polen kein souveräner Staat war (1795-1918, 1939-1945 und unter kommunistischer Herrschaft) eine besondere Bedeutung hatte.

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