Kazimierz Wielki war ein herausragender polnischer Herrscher. Als er 1333 den Thron bestieg, bestand Polen lediglich aus Kleinpolen und Großpolen, Kujawien sowie den Ländern Łęczyca, Sieradz und Sandomierz. 1138 hatte König Bolesław Krzywousty (Schiefmund) das Staatsgebiet unter seinen Söhnen aufgeteilt, um unter ihnen Konflikte zu vermeiden. Die anderen Gebiete - Pommerellen und Pommern, Schlesien, Masowien und Lubusker Land - waren in fremde Hand gefallen. Zwei Jahrhunderte lang gab es Konflikte, die erst Kasimirs Vater Władysław Łokietek beilegen konnte, weil dieser das Land wieder zentralisieren wollte. Durch diese Auseinandersetzungen wurde das zuvor in ganz Europa geschätzte und geachtete Polen auf der internationalen politischen Bühne schwach und unbedeutend. Der junge König stand vor einer schweren Aufgabe. Er wollte das Werk seines Vaters fortführen und Polen zu seinem früheren Glanz verhelfen. Dazu musste er die verlorenen Gebiete wiedergewinnen, die Staatsfinanzen aufbessern und seinen Untertanen Frieden und Wohlstand sichern.
Die Rückständigkeit des Landes und seine Finanzprobleme erforderten unpopuläre politische Entscheidungen, die bei einem Großteil des polnischen Adels und im Ausland auf Widerstand stießen. Trotzdem gelang es Kazimierz in kurzer Zeit, das Land wieder aufzubauen und - durch Verträge und Bündnisse mit den Herrschern der Nachbarländer - einen Teil der verlorenen Gebiete zurückzugewinnen. Zusätzlich wurde u. a. das Fürstentum Halitsch-Wladimir annektiert.
Die neuen Gebiete haben den Vielvölkerstaat Polen und seine Einwohner mit der Zeit verändert. Der Einfluss fremder Religionen und Kulturen ließ das Land gegenüber verschiedenen Glaubensrichtungen außerordentlich tolerant werden, so dass verschiedene Völker in einem Staat friedlich zusammenleben konnten. Aus diesem Grunde strömten Italiener, Juden, Flamen, Walachen, Deutsche, Engländer und Franzosen nach Polen. Da die Ost-West-Verbindung über Polen sehr günstig war, erblühten rasch Handel, Landwirtschaft, Bergbau und Handwerk, wodurch der Lebensstandard der polnischen Einwohner beträchtlich stieg. Man baute zerstörte Städte wieder auf, gründete neue, solide befestigte Städte und füllte die Schatzkammern. Der König erließ eine Rechtsordnung und reformierte Geldwesen und Militär, wodurch die polnischen Streitkräfte europaweit an Bedeutung gewonnen. Kazimierz selbst erfreute sich einer wachsenden Wertschätzung. Durch seine kluge Politik gewann er das Wohlwollen der meisten europäischen Herrscher. In Polen wurde seine Fähigkeit geschätzt, trotz scheinbarer Zugeständnisse für das Land günstige Abkommen zu schließen.
Aufschwung, Wohlstand, Toleranz und das freie Zusammenspiels kultureller Einflüsse aus Ost und West lockten viele Gelehrte aus ganz Europa ins Land. 1364 entstand in Krakau, der damaligen Hauptstadt Polens, mit der Akademia Krakowa eine der ersten Universitäten Mitteleuropas, die schnell internationale Bedeutung errang. König Jagiełło ließ sie renovieren, weshalb sie später in Jagiellonen Universität umbenannt wurde. Die wichtigsten Fachgebiete waren Recht, Medizin und Freie Künste.
Man sagt nicht umsonst über König Kazimierz Wielki, dass "er Polen in Holz angetroffen und in Stein zurückgelassen" habe. Bei seinem Tode 1370 hinterließ er eine moderne und reiche Monarchie von europäischem Rang. Wegen eines fehlenden Thronerbens verlosch mit ihm auch die Piastendynastie, die seit dem Anfang des 10. Jh. bestanden hatte.



