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Józef Bem (1794-1850)

Józef Bem ist als Freiheitskämpfer in die Geschichte eingegangen. Während Tadeusz Kościuszko im Unabhängigkeitskrieg in Nordamerika kämpfte und sich Jan Henryk Dąbrowski in Italien und Russland an Napoleons Seite stellte, so kämpfte auch Bem im Ausland - und zwar überall dort, wo seine Führungsqualitäten und seine militärischen Fähigkeiten gefragt waren. Er hat sein Leben dem Kampf um Polens Freiheit gewidmet.

Józef Bem wurde am 14. März 1794 in Tarnów geboren. Durch die zweite Teilung Polens im Jahre 1793 durch die Großmächte Russland, Österreich und Preußen gehörte seine Heimatstadt nun zu Österreich. Nachdem 1807 auf den von Napoleon eroberten Gebieten ein kleines Land - das Herzogtum Warschau - gegründet worden war, zog Bem mit seinen Eltern nach Kraków, wo er das St. Anna-Gymnasium absolvierte, sich als 15-jähriger der Armee des Herzogtums als Kadett anschloss und schon nach einem halben Jahr Leutnant wurde. 1812 nahm er als Oberleutnant der Artillerie am Feldzug Napoleons teil.

Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde das Herzogtum Warschau in das Königreich Polen umgewandelt, das eine eigene Verfassung hatte. Bem wurde Dozent an einer Schule für Artillerie, wo er an neuen Raketengeschossen forschte. Seine Ergebnisse veröffentlichte er in dem illustrierten Werk Anmerkungen zu Brandraketen. Da das Königreich Warschau von Russland abhängig war, gab Bem nie seine konspirative Tätigkeit zum Zwecke der Wiedererlangung der vollen Freiheit Polens auf. Wegen Mitwirkung in einer geheimen Organisation - der Nationalen Patriotischen Gesellschaft - wurde er 1822 degradiert und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Obwohl das Urteil aufgehoben wurde, trat Józef Bem zurück und ging nach Galizien, wo er sich mit Dampfmaschinen und ihrer Anwendung beschäftigte und ein Buch dazu verfasste.

In Brody in Galizien blieb Józef Bem bis 1830. Als am 29. November 1830 im Herzogtum Warschau ein Aufstand ausbrach, machte er sich sofort auf den Weg, um an der Seite seiner Landsleute zu kämpfen. Am 10. März 1831 kam er nach Warschau, wo er zum Major befördert wurde und das Kommando über eine Truppe der leichten Kavallerie übernahm. An ihrer Spitze kämpfte er nahe Iganiam und Ostrołęka. Bei Ostrołęka gelang Bems Truppen ein besonders mutiger Vorstoß gegen die russischen Truppen, was ihnen viel Ruhm einbrachte. Dank dieses Angriffs wurde die polnische Armee trotz einer deutlichen Niederlage und 6000 Mann Verlust doch nicht gänzlich zerschlagen. Für seinen Mut wurde Bem mit dem goldenem Kreuz Virtuti Militari ausgezeichnet und zum Generalmajor befördert. Bis zum Ende des Aufstandes war er gegen jede Art von Kapitulation. Die polnischen Truppen streckten dennoch am 5. Oktober 1831 endgültig die Waffen.

Nach der Niederschlagung des Novemberaufstandes musste Józef Bem ins Exil. Übrigens werden die Jahre 1832-1845 Großes Exil genannt. Wie die meisten Polen ging er nach Frankreich, also in das Land, in dem sich die polnischen Patrioten versammelt hatten. Dort entstand auch sein nächstes Werk Der Nationalaufstand in Polen, in dem er nicht nur den Aufstand von 1831 beschrieb, sondern auch versuchte, sein Programm für den weiteren nationalen Befreiungskampf vorzustellen.

In Paris erlebte er einen erneuten Befreiungsversuch. Diesmal handelte es sich aber nicht um einen Aufstand in Polen, sondern um die Revolution von 1848, die ganze Europa erfasste. Der polnische General ging 1848 nach Österreich, wo er bei der Verteidigung von Wien auf der Seite der Revolutionäre und gegen die habsburgische Armee kämpfte. Dann zog er nach Ungarn weiter. Dort wurde er zum Hauptführer der Armee Siebenbürgens, mit der er von Dezember 1848 bis März 1849 aus Siebenbürgen die österreichischen Truppen vertrieb. Dadurch wurde er für die Ungarn ein Nationalheld. 1849 wurde ihm sogar die Führung der gesamten ungarischen Armee anvertraut. Als jedoch die russische Armee in Ungarn einmarschierte, konnten die ungarischen Truppen dem österreichisch-russischen Heer, das 70 000 Mann zählte, nicht mehr Paroli bieten. Am 13. August 1849 wurde der Aufstand niedergeschlagen.

Józef Bem ging mit den Überlebenden der ungarischen Truppen über die türkische Grenze. Er versuchte, seine Truppen wieder zu formieren und nahm sogar den islamischen Glauben an, um bei der türkischen Armee schneller befördert zu werden. Aber seine Bemühungen blieben erfolglos. Die Türkei wurde von Österreich und Russland gezwungen, die Emigranten zu verteilen, wodurch eine Truppenbildung verhindert wurde.
Józef Bem, der polnische General, der bei der türkischen Armee den Rang eines Marschalls innehatte, starb am 10. Dezember 1850 an Schüttelfrost in Aleppo (Syrien). Seine Asche wurde 1929 nach Polen gebracht und im Mausoleum von Tarnów beigesetzt.


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