Jadwiga Andegaweńska war die dritte Tochter vom ungarischen König Ludwig und von Elisabeth von Bosnien. Da Kazimierz Wielki (der Große) starb, ohne einen Nachfolger zu haben, bestieg Jadwigas Vater 1370 auch den polnischen Thron. Er durfte ihn als der Enkel des Königs beanspruchen, denn dieser hatte seine Tochter Elżbieta Łokietkówna mit dem Ungarn Karol Robert verheiratet. Władysław Łokietek wünschte sich, dass Maria, die ältere Schwester von Jadwiga, den Thron besteigt, doch nach seinem Tode 1382 gestaltete sich die Thronfolge etwas anders. Obwohl die Geistlichkeit und der Bürgerstand in Polen mit dem inzwischen verstorbenen König vertraglich vereinbart hatten, dass seine älteste Tochter den Thron erben sollte, wollten sie Marias zukünftigen Ehemann, Siegmund von Luxemburg, nicht akzeptieren. Daher wurde 1384 an ihrer Statt die knapp zehn Jahre alte Jadwiga Königin von Polen. Dem Wunsch von Kazimierz Wielki war somit genüge getan. Gleichzeitig wurden die Interessen der polnischen Magnaten berücksichtigt.
Jadwiga war der erste und einzige Königin in der polnischen Geschichte. Sie wird zwar umgangssprachlich "Königin" genannt, dieser Titel war aber bis dahin nur den Frauen des Königs vorbehalten und schloss Regierungsgewalt aus. Jadwiga erfüllte jedoch diese Rolle mit allen Rechten und Pflichten. Zwei Jahre regierte sie mit Hilfe ihrer Berater - den Adligen aus Kleinpolen. 1385 war sie aktiv an der Union zwischen Polen und Litauen in Krewo beteiligt. Durch die Ehe Jadwigas mit dem litauischen Großfürsten Jagiełło wurden beide Länder 1386 vereinigt. Und zwar unter der Voraussetzung, dass Jagiełło sich taufen ließ und sein Fürstentum von Polen annektiert wurde. Jagiełło nahm nach der Taufe den Namen Władysław II. an und verpflichtete sich, die den Polen verloren gegangenen Pommerellen zurückzuerobern.
Die beiden Eheleute regierten in Personalunion und trafen gemeinsam Entscheidungen. Nach der Heirat war Jadwiga weiterhin politisch aktiv: Sie erreichte die Versöhnung zwischen Jagiełło und seinem rebellischen Bruder Witold, führte Verhandlungen mit den Kreuzrittern, die die Pommerellen belagerten und leitete einen Feldzug gegen das Fürstentum Halitsch-Wladimir.
Die polnische Königin unterhielt - unabhängig von ihrem Mann - ihren eigenen Hof und umgab sich als gut ausgebildete und außergewöhnlich fromme Frau mit weltlichen und geistlichen Gelehrten. Mit Jagiełłos Hilfe ließ sie die etwas heruntergekommene Jagiellonen-Universität restaurieren. Zu diesem Zweck verkaufte sie all ihre Juwelen und Kostbarkeiten. Sie erwarb sich den Ruf einer Stifterin in Bezug auf zahlreiche Kirchen, Altäre und das Kollegium für Psalmschreiber an der Kathedrale auf dem Krakauer Königsschloss. Sie selbst besaß ein extra für sie geschriebenes Psalter Psałterz Floriański, eines der ersten polnischen Schriftstücke.
Jadwiga starb 1399 bei einer Entbindung im Alter von 25 Jahren. Sie ist als verdienstvolle Herrscherin in die Geschichte eingegangen. Obwohl erst 1986 selig und 1997 durch Papst Johanns Paul II. heilig gesprochen, hat man sie schon zu Lebzeiten verehrt. Einer Legende zufolge wurde sie kurz vor ihrem Tode von der Christusfigur angesprochen, die sich auf dem von ihr gestifteten Seitenaltar in der Kathedrale auf dem Krakauer Schloss befindet.



