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Ignacy Paderewski (1860–1941)

Der Pianist und Komponist Ignacy Paderewski wurde am 6. September 1860 in Kuryłówka (heute Ukraine) geboren. Ab 1872 studierte er am Konservatorium in Warschau, um sechs Jahre später dort Klavier zu unterrichten. 1881 ging er nach Berlin, um weiter zu studieren und bei F. Kietel Komposition zu nehmen. In Wien perfektionierte er bei T. Leszetycki seine Fingerfertigkeit am Klavier. 1887 debütierte er dort als Pianist. Die nächsten neun Jahre reiste er als gefeierter Klaviervirtuose durch ganz Europa, Australien, Nord- und Südamerika und Afrika. Schließlich ließ er sich 1896 in Riond Bosson in Morges (Schweiz) nieder. 1902 siedelte er in die USA um.

Kaum in den USA angekommen, wurde er politisch aktiv. Als man gegen Ende des Ersten Weltkriegs am 5. August 1917 in Lausanne das Polnische Nationalkomitee (KNP) gründete, wurde Paderewski sein Aktivist. Seine Bemühungen in Washington trugen erste Früchte: 1918 erklärte Präsident Wilson in Punkt 13 seiner Ansprache, die das Ende des Krieges in Europa zum Thema hatte, dass der polnische Staat mit seiner Bevölkerung und Zugang zum Meer wiederhergestellt werden soll. (Polen war 1772 zum Teil zwischen Russland, Österreich und Preußen aufgeteilt worden. Nach zwei weiteren Teilungen 1793 und 1795 war es völlig von Europas Landkarte verschwunden). Am 29. August 1918 wurde eine Verordnung erlassen, in der die Teilungsverträge von Polens Nachbarn annulliert wurden. Am 3. Juni 1918 wurde durch Beschluss der Alliierten-Konferenz die Gründung des polnischen Staates proklamiert, ohne jedoch die Grenzen festzulegen. Dies führte zu ständigen Konflikten zwischen den Besatzern und der neuen polnischen Regierung, die von polnischen Emigranten und einem Teil der europäischen Großmächte keine Unterstützung bekam.

Durch die Rückkehr von Ignacy Paderewski am zweiten Weihnachtstag 1918, die mit dem Ausbruch eines Aufstandes in Wielkopolska (Großpolen) zusammenfiel, wurden die Konflikte beigelegt. Paderewski wurde zum Premierminister gewählt, womit sich alle politischen Kräfte sowohl in Polen als auch im Ausland einverstanden erklärten. Dort wurde Paderewski schon früher geachtet und geschätzt - nicht nur als Komponist und Klaviervirtuose, sondern auch als Politiker. Als polnischer Premier und Außenminister unterschrieb er am 28. Juni 1919 den Versailler Vertrag, wodurch Polen Großpolen und die Pommerellen zurückerhielt. Dies war deutlich weniger, als die polnischen Delegierten verlangt hatten, bedeutete aber die Wiedergeburt des polnischen Staates. Im Jahre 1921 verließ Paderewski das politische Wirkungsfeld, wohin er erst im Zweiten Weltkrieg zurückkehrte.

Ignacy Paderewski war nicht nur Politiker und Pianist, sondern auch Komponist und Philanthrop. Er liebte die Tatra, wo er oft seinen Freund Tytus Chałubiński besuchte. In der Region Podhale sammelte er Melodien, um sie im Album Tatrzański zu verewigen. Es ist eine Sammlung von Werken für Klavier, die von der Volkskunst inspiriert wurde. Paderewski unterstützte die Idee zum Bau eines modernen Sanatoriums für Tuberkulosepatienten bei Giewont. Er spendete Geld für die Organisation "Zakopiański Dom Zdrowia Bratniej Pomocy" (Krankenhaus für brüderliche Hilfe in Zakopane) und das Tatra-Museum. In seinen Werken finden sich Impressionen aus der Gebirgswelt wieder, z. B. in der Oper Manru (1901) und in dem für Helena Modrzejewska komponierten Werk Krakowiak Fantastyczny.

Zu Paderewskis bekanntesten Werken gehören das Klavierkonzert a-Moll, op. 17 (1888), die Klaviersonate es-Moll, op. 21" (1903), Klaviervariationen es-Moll, op. 23 (1903) sowie Pieśni (ein Liederzyklus) zu Gedichten von C. Mendes (1903).
1910 stiftete Paderewski in Krakau das Tannenberg-Denkmal, das von A. Wiwulski geschnitzt wurde. Es erinnert an den 500. Jahrestag der Schlacht bei Tannenberg (14. Juli 1410). Während des Ersten Weltkriegs half Paderewski bei der Bildung freiwilliger Truppen in den USA und gründete zusammen mit Henryk Sienkiewicz (polnischer Literaturnobelpreisträger) das Komitee zur Hilfe polnischer Kriegsopfer. Er organisierte ein weiteres Komitee in Vevey und den Polish Relief Found in London.
1940 wurde er Vorsitzender des Nationalrats, des polnischen Parlaments im Londoner Exil. Am 29. Juni 1941 starb er in New York. Die auf dem Friedhof Arlington in Washington beigesetzte Urne wurde 1992 nach Polen in die Warschauer Johanneskathedrale überführt.

 

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