Bahn in den Wolken
Die höchstgelegenen Eisenbahnstrecke der Welt hat der polnische Ingenieur Ernest Malinowski (1808-99) erbaut. Er war nach der Niederschlagung des Novemberaufstands nach Frankreich ausgewandert, wo er die Eliteschule Ecole des Ponts et des Chaussees absolvierte, und 1852 als Experte für Eisenbahnbau nach Peru übergesiedelt.
Das von ihm entwickelte Eisenbahnprojekt sollte den Transport von Mineralien
und wertvollen Holzarten von Ukayali über die Andenhöhen bis in die Hauptstadt
von Peru und weiter bis zum Hafen Callao am Pazifik ermöglichen, wurde aber
zunächst als zu kühn abgetan. 1871 hat der Kongress der Republik Peru Malinowskis
Projekt dann doch genehmigt. 1872 war Baubeginn und bereits im Frühjahr 1873
erreichte man in 4818 m Höhe den Ticlio-Pass, den höchsten Bahnabschnitt der
Welt. Bis dorthin muss der Zug durch einen 1200 m langen Tunnel, über 30 Brücken
und Überführungen sowie weitere 62 Tunnel mit 6 km Gesamtlänge fahren. Die Brücke
über die Verrugas-Schlucht gehört zu den größten der Welt. Sie ist 77 m hoch
und 175 m lang. Damit der Zug die Fahrtrichtung ändern kann, wurden an elf Stellen
Drehweichen eingebaut. Der Krieg zwischen Chile und Peru brachte die Arbeiten
zwischenzeitlich zum Erliegen. Nach Kriegsende wurde der Bau der Strecke nach
Oroya beendet. Nach dem Tod von Ernest Malinowski wurde sie bis Cerro de Pasco,
dem größten Bergbaugebiet in Peru, weitergeführt.
Malinowski arbeitete auch in Ecuador, wo er 1886 den Eisenbahnbau von Guayaquil
nach Quito leitete. Nach seiner Rückkehr nach Peru wurde er Professor und Leiter
des Lehrstuhls für Topographie der Universität Lima.
In Peru wird Ernest Malinowski als Nationalheld verehrt. An seine Errungenschaften
erinnert ein Denkmal am Ticlio-Pass.
Die peruanische Regierung beabsichtigt, die Trans-Andenbahn bis zum Fluss Ucayali
weiterzuführen.



