Die italienische Prinzessin Bona aus dem alten Geschlecht der Sforza wurde 1518 Königin von Polen. Niemand vermutete damals, welch bedeutende Rolle die zweite Ehefrau von Zygmunt I. Stary (Sigismund der Alte) in der Geschichte Europas spielen sollte. Die kluge Königin, die 27 Jahre jünger als ihr Mann war, wuchs am italienischen Hof auf, wo sie in den diplomatischen Dienst trat. Als ihre Mann immer gebrechlicher wurde, kaum noch Interesse für Staatsangelegenheiten aufbrachte, und sich sein Leben dem Ende neigte, regierte sie praktisch allein. Sie hatte einen großen Einfluss auf ihren einzigen Sohn - Zygmunt II. August - der sich sehr lange nicht von ihr lösen konnte.
Bona war in Polen nicht besonders beliebt und sie verlor weiter an Popularität, als sie versuchte, in Polen italienische Regierungsmethoden einzuführen. Der Kauf von Landgütern, die Verteilung der Ämter, die Königswahl und die Krönung des minderjährigen Zygmunt August noch zu Lebzeiten seines Vaters Zygmunt Stary - all das führte dazu, dass der polnische Adel gegen sie eingestellt war. Dank einer großen Mitgift und des beträchtlichen Vermögens, das sie durch Güterkäufe erworben hatte, stellte die ehrgeizige Italienerin im Senat eine sie unterstützende Partei zusammen. Bis zum Ende ihres Intermezzos in Polen regierte sie mehr oder weniger offiziell.
Das Jahr 1548 brachte viele Änderungen mit sich. Nach dem Tod von Zygmunt I. Stary bestieg Zygmunt II. August den Thron. Ihm war die Gier und der Ehrgeiz seiner Mutter ein Dorn im Auge und so entbrannte zwischen ihnen ein Machtkampf, der die Autorität des jungen Königs beträchtlich verringerte. Besonders schadete ihm die Ehe mit der litauischen Prinzessin Barbara Radziwiłłówna. Dies war bereits seine zweite Ehe. Seine erste Frau, Elisabeth von Habsburg, war bald nach der Hochzeit kinderlos gestorben. Bona nutzte die Abneigung des polnischen Adels gegenüber dem Geschlecht der Radziwiłł aus. Man fürchtete nämlich ihren Einfluss auf Zygmunt August und dessen Politik. Die alte Königin streute Gerüchte über Barbaras unsittliches Benehmen, ihre Unfruchtbarkeit, verursacht durch eine Geschlechtskrankheit, mit der sie angeblich den König angesteckt haben soll. Als die junge Königin 1551 starb und ebenfalls keinen Nachfolger hinterließ, verdächtigte Zygmunt August seine Mutter, seine Frau vergiftet zu haben.
1554 beschloss Bona, nach Italien zurückzukehren. Das verbot ihr jedoch zunächst ihr Sohn. Die Königinmutter verfügte nämlich sowohl in Polen als auch in Litauen über ein großes Vermögen und zahlreiche Schenkungen im ganzen Land, welche Zygmunt nach ihrem möglichen Tod im Ausland nicht verlieren wollte. Erst nachdem sie auf ihre Güter verzichtet hatte, ließ er sie 1556 nach Bari gehen, wo sie 1557 verstarb. Wahrscheinlich wurde sie auf Befehl der Habsburger von ihrem Vertrauten Gian Lorenzo Pappacoda vergiftet.
Auch wenn Bona Sforza in Polen nicht besonders positiv gesehen wird, so hat ihr das Land einen besonderen kulturellen Aufschwung zu verdanken. Durch sie und Zygmunt Stary kamen die italienische Renaissance, die italienische Küche sowie Künstler und Kunstwerke nach Polen. Sie initiierten den Umbau des Krakauer Schlosses, bei dem eines der größten Kunstwerke des 16. Jh. entstand - die Sigismundkapelle, in der Zygmunt Stary und sein Sohn Zygmunt August beigesetzt sind. Seit Bona baut man viele in Polen bis dahin unbekannte Gemüsesorten an.



